28.11.2018, 08:59 Uhr

Berlin (AFP) Debatte über Einfluss islamischer Dachverbände und Ausbildung von Imamen

Deutsche Islam Konferenz beginnt. Quelle: dpa/AFP/Sebastian Gollnow (Foto: dpa/AFP/Sebastian Gollnow)Deutsche Islam Konferenz beginnt. Quelle: dpa/AFP/Sebastian Gollnow (Foto: dpa/AFP/Sebastian Gollnow)

Seehofer eröffnet mit Grundsatzrede weitere Islamkonferenz

Vor Beginn einer neuen Islamkonferenz wird über den Einfluss islamischer Dachverbände und die Ausbildung von Imamen debattiert. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir kritisierte die bisherige Politik der deutschen Parteien gegenüber den Verbänden als "zu nachgiebig". Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, forderte konkrete Schritte für eine Ausbildung von Imamen in Deutschland. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eröffnet am Mittwoch in Berlin die Deutsche Islam Konferenz.

Alle Parteien im Bund und in den Ländern hätten die Reformbereitschaft der Islamverbände "völlig überschätzt", sagte der frühere Grünen-Chef Özdemir der Tageszeitung "Die Welt". Das gelte insbesondere für den Moscheeverband Ditib.

Die Dachverbände sollten nicht "für alle Ewigkeit ausgeschlossen werden", sagte Özdemir. "Aber zuvor müssen Ditib und die anderen Verbände die Voraussetzungen erfüllen - sie müssen sich von Organisationen ausländischer Mächte zu deutschen Vertretungen inländischer Muslime transformieren", forderte der Grünen-Politiker. Sie müssten nachweisen, "dass sie mit beiden Beinen auf dem Boden unserer Verfassung stehen und dass in unserem Zusammenleben das Grundgesetz für sie über jedem heiligen Buch steht". Bislang sei ihm Deutschland "in dieser Frage zu nachgiebig".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), reagierte zurückhaltend auf die Kritik Özdemirs. Der Grünen-Politiker habe in Teilen Recht, es gebe bei der Verbänden allerdings auch Reformprozesse, sagte Widmann-Mauz im Norddeutschen Rundfunk. Es sei wichtig, "dass wir den Gesprächsfaden auch zu Ditib nicht abbrechen". Widmann-Mauz forderte einen Dachverband, der unterschiedliche Strömungen auffange und für den Staat ein "Ansprechpartner auf Augenhöhe" sei.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Mazyek, forderte mehr Unterstützung für eine Ausbildung von Imamen in Deutschland. Es sei bequem, etwas einzufordern und sich dann "in die Büsche zu verabschieden", sagte Mazyek im Südwestrundfunk an die Adresse der Politik. Es müsse wenigstens ein Imam-Seminar entwickelt werden.

Mazyek zeigte sich zugleich überzeugt, dass der Großteil der Muslime längst in Deutschland integriert sei. Bei Gleichbehandlung, Gleichberechtigung und Anerkennung gebe es aber noch "Luft nach oben".

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt forderte ebenfalls, mehr Imame in Deutschland auszubilden. Es würden auch "konkrete Vorschläge zur Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften" gebraucht, erklärte Göring-Eckardt. Keine Anerkennung könne es dabei aber für Religionsgemeinschaften geben, "die fundamentale Verfassungsprinzipien unserer Gesellschaft nicht akzeptieren".

Bundesinnenminister Seehofer eröffnet am Mittwochmorgen mit einer Grundsatzrede die Deutsche Islam Konferenz (DIK) in Berlin. Das zweitägige Treffen mit 240 Teilnehmern ist der Auftakt der vierten Phase der 2006 gestarteten Islamkonferenz und soll zugleich ein Neustart im Dialog mit den Muslimen in Deutschland sein. Bei der Konferenz diskutieren Vertreter deutscher Stellen sowie muslimischer Verbände und Organisationen, aber auch unabhängige und säkulare Muslime.


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