27.11.2018, 18:35 Uhr

Paris (AFP) UN-Umweltprogramm fordert Verdreifachung der weltweiten Klimaschutzbemühungen

Dürre in Afrika. Quelle: FAO/AFP/Archiv/Luis TATO (Foto: FAO/AFP/Archiv/Luis TATO)Dürre in Afrika. Quelle: FAO/AFP/Archiv/Luis TATO (Foto: FAO/AFP/Archiv/Luis TATO)

Bericht zeigt Kluft zwischen Emissionsreduktion und Pariser Klimazielen auf

Kurz vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Kattowitz hat das UN-Umweltprogramm (Unep) die Weltgemeinschaft aufgefordert, ihre Bemühungen zum Erreichen der Pariser Klima-Ziele mindestens zu verdreifachen. In seinem Emissions Gap Report legte das Unep am Dienstag dar, dass die weltweiten Treibhausgas-Emissionen neue Höchststände erreicht haben. Damit rücke das Ziel des Pariser Abkommens, die Erderwärmung auf deutlich unter zweit Grad zu begrenzen, in noch weitere Ferne.

Der Unep-Bericht ermittelt alljährlich die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen bis zum Jahr 2030 und den Werten, die für eine Erreichung der Pariser Klimaziele notwendig sind. Bei der UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris hatte die internationale Gemeinschaft sich darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Dessen ungeachtet hätten die Treibhausgasemissionen weiter zugenommen, und ein Wendepunkt sei nicht absehbar, bemängelte das Unep. Nach drei Jahren Stagnation habe der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid einen neuen Rekordstand von 53,5 Gigatonnen erreicht.

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die Länder ihre Klimaschutzziele verdreifachen und für das 1,5-Grad-Ziel sogar verfünffachen. Der Weltklimarat IPCC hatte in einem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel Anfang Oktober dargelegt, nötig seien "schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen", um dieses Ziel noch zu erreichen.

Die Europäische Union will in den kommenden 30 Jahren die Treibhausgas-Emissionen auf Null senken. Europa solle "im Jahr 2050 unter dem Strich keine Klimagase mehr emittieren", zitierte das "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe) den EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete.

Unep-Vizechefin Joyce Msuya sagte, die Regierungen in aller Welt müssten schneller und entschlossener handeln. "Wir nähren dieses Feuer, obwohl die Mittel, es zu löschen, in Reichweite sind", kritisierte Msuya.

Je nach Schätzung könnte der CO2-Ausstoß bei entsprechenden Maßnahmen von nationalstaatlichen, regionalen und kommunalen Behörden, Investoren und nichtstaatlichen Akteuren bis 2030 um 19 Gigatonnen verringert würden, heißt es in dem Unep-Bericht. Dies würde zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels reichen.

Die Berichtsautoren riefen dazu auf, technische Innovationen sowie eine geschickte Fiskalpolitik für einen klimapolitischen Umbruch zu nutzen. Wenn Regierungen die Steuerpolitik nutzten, um "Alternativen mit geringen Emissionen zu subventionieren" und fossile Energieträger zu verteuern, könnten sie damit "die richtigen Investitionen im Energiesektor stimulieren und die Kohlendioxidemissionen deutlich verringern", erklärte Unep-Chefwissenschaftler Jian Liu. Auch eine angemessene CO2-Bepreisung sei entscheidend.

Die Erde steuert dem Bericht zufolge auf eine Erwärmung um rund drei Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu. Danach werde die Durchschnittstemperatur nach jetzigem Stand voraussichtlich weiter steigen.

Gunnar Luderer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der an dem Unep-Bericht mitgearbeitet hat, kritisierte die internationale Klimapolitik: "Es klafft weiter eine fatale Lücke zwischen Worten und Taten", erklärte er.

Lorenz Gösta Beutin von den Linken im Bundestag forderte ein "Eintreten für Ordnungspolitik statt reinem Laissez-faire". Dazu zählte er das gesetzliche Abschalten von Kohlekraftwerken und die Verabschiedung von bindenden Klimaschutzgesetzen für verschiedene Sektoren sowie die Verankerung von Klimaschutz im Grundgesetz.

Der nun veröffentlichte neunte Emissions Gap Report wurde von einem internationalen Wissenschaftlerteam zusammengestellt, welches dafür nach eigenen Angaben alle verfügbaren wissenschaftlichen Studien zum Klimawandel auswertete.


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