27.11.2018, 11:06 Uhr

Berlin (AFP) Ältere Arbeitnehmer im Schnitt nicht häufiger krank als jüngere - aber länger

Ältere Arbeitnehmer sind nicht öfter krank als jüngere. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner)Ältere Arbeitnehmer sind nicht öfter krank als jüngere. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Büttner)

Krankenkasse BKK fordert wegen Generation 50 plus mehr Prävention

Ältere Arbeitnehmer sind nicht wesentlich häufiger krank als jüngere - dafür allerdings länger. Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) hervorgeht, erhöht sich deshalb mit steigendem Alter auch die Zahl der durchschnittlichen Fehltage. Maßgeblichen Einfluss auf die Ausfallzeiten hat vor allem die Arbeitsbelastung.

So sind zum Beispiel die Beschäftigten im Gastgewerbe durchschnittlich einen Tag mehr pro Jahr arbeitsunfähig als Arbeitnehmer in der Energieversorgung, obwohl letztere im Schnitt etwa fünf Jahre älter sind. Beschäftige über 50 in körperlich belastenden Berufen weisen die meisten Fehltage aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen auf. Dagegen haben ältere Arbeitnehmer in sozialen, erzieherischen und pflegerischen Berufen auffallend viele Fehltage aufgrund psychischer Störungen.

Die Krankenkassen fordern deshalb eine altersgerechte Gestaltung der Arbeit und mehr Prävention. Waren im Jahr 2007 gerade einmal ein Fünftel (20,8 Prozent) aller beschäftigten Mitglieder der Betriebskrankenkassen 50 Jahre oder älter, waren dies 2017 bereits ein Drittel (33,9 Prozent), wie aus den Daten von mehr als 8,4 Millionen BKK-Versicherten hervorgeht.

Allein anhand der Arbeitsunfähigkeitstage könnten den Experten zufolge aber keine Rückschlüsse auf die Produktivität von Beschäftigten der Altersklasse 50 plus gezogen werden. "Internationale Studien zeigen, dass - trotz des Nachlassens einiger physischer und psychischer Leistungsvoraussetzungen im Alter - die Arbeitsleistung der älteren Beschäftigten insgesamt betrachtet nicht abnimmt", erklärte Jürgen Wegge von der TU Dresden.

Ältere Beschäftigte könnten mit Erfahrung, sozialen Kompetenzen und Gewissenhaftigkeit punkten. Gleichwohl nähmen mit dem Alter die Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern zu, weshalb eine individualisierte Arbeitsplanung nötig sei.

Angesichts des Fachkräftemangels die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 plus für alle zu fordern, sei "der falsche Ansatz", warnte BKK-Chef Franz Knieps. Vielmehr müsse Arbeit altersgerecht gestaltet und größerer Wert auf betriebliche Gesundheitsförderung gelegt werden.


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