23.11.2018, 12:43 Uhr

Seoul (AFP) Samsung entschuldigt sich für Krebsfälle bei Fabrikarbeitern

Samsung-Ko-Präsident Kim mit Opferangehörigen. Quelle: AFP/Jung Yeon-je (Foto: AFP/Jung Yeon-je)Samsung-Ko-Präsident Kim mit Opferangehörigen. Quelle: AFP/Jung Yeon-je (Foto: AFP/Jung Yeon-je)

Konzern räumt schlechten Umgang mit "Gesundheitsrisiken" ein

Der südkoreanische Elektronikriese Samsung hat sich für Krebsfälle bei Arbeitern seiner Halbleiter- und LCD-Bildschirm-Fabriken entschuldigt. "Wir entschuldigen uns aufrichtig bei den erkrankten Arbeitern und ihren Familien", erklärte Samsungs Ko-Präsident Kim Ki Nam am Freitag. Der Konzern sei nicht richtig mit "Gesundheitsrisiken" in seinen Halbleiter- oder LCD-Fabriken umgegangen.

Aktivisten zufolge erkrankten über die Jahre rund 240 Menschen wegen ihrer Arbeit in Samsung-Fabriken. Etwa 80 von ihnen starben. Der Skandal war 2007 publik geworden.

Laut einer kürzlich bekanntgegebenen Vereinbarung wird Samsung betroffenen Mitarbeitern Entschädigungen von umgerechnet bis zu 116.000 Euro pro Fall zahlen. Abgedeckt werden 16 Krebsarten und andere Krankheiten. Vorausgegangen war eine Reihe von Urteilen und Entscheidungen von Gerichten, der Behörde für Arbeiterfürsorge und eines Schlichtungsausschusses über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren.

Kim unterzeichnete am Freitag gemeinsam mit dem Vater einer 2007 im Alter von 22 Jahren an Leukämie gestorbenen Fabrikarbeiterin einen entsprechenden Vergleich. Er sei froh, ein Versprechen an seine Tochter erfüllt und bewiesen zu haben, dass Samsung für ihren Tod verantwortlich sei, sagte Hwang Sang Ki, der die Vereinbarung im Namen der Arbeiter und ihrer Familien unterzeichnete.

Er fügte aber hinzu: "Die Entschuldigung war ehrlich gesagt nicht genug für die Familien der Opfer, aber wir werden sie akzeptieren." Keine Entschuldigung werde jemals ausreichen, um den erlittenen Schmerz zu lindern.

Samsung ist der größte Handy- und Chiphersteller der Welt. Der Konzern betreibt derzeit große Halbleiter-Produktionsstätten in den südkoreanischen Städten Suwon, Hwaseong und Pyeongtaek sowie im chinesischen Xian.

Über die möglichen Verbindungen zwischen dem Produktionsprozess in den Fabriken und den Erkrankungen der Arbeiter ist nur wenig bekannt. Samsung weigert sich offenzulegen, welche speziellen chemischen Substanzen bei der Produktion zum Einsatz kommen. Der Konzern spricht von Betriebsgeheimnis.

Hwang und andere Opferangehörige versuchen, gerichtlich die Herausgabe der Informationen zu erzwingen. "Entschädigung für Industrieunfälle ist wichtig, aber was noch wichtiger ist, ist Prävention", sagte Hwang, dessen Geschichte 2013 verfilmt wurde.

Samsung hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Südkorea zur elftgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen ist. Der Konzern steht aber auch immer wieder in der Kritik wegen der Macht und des Einflusses der mächtigen familiengeführten Großkonzerne des Landes - der sogenannten Chaebol. Diese waren in der Vergangenheit immer wieder in Korruptionsskandale verwickelt.

Trotz der technologischen Fortschrittlichkeit Südkoreas sind die Sicherheitsstandards bisweilen unzureichend. Erst vor zwei Monaten waren zwei Subunternehmer durch ein Gasleck in Samsungs Chipfabrik in Suwon ums Leben gekommen.


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