23.11.2018, 11:31 Uhr

Karachi (AFP) Extremisten stürmen chinesisches Konsulat in Karachi - vier Tote

Ausgebrannte Fahrzeuge nach Angriff auf Konsulat in Karachi. Quelle: AFP/ASIF HASSAN (Foto: AFP/ASIF HASSAN)Ausgebrannte Fahrzeuge nach Angriff auf Konsulat in Karachi. Quelle: AFP/ASIF HASSAN (Foto: AFP/ASIF HASSAN)

Mindestens 31 Tote bei weiterer Attacke im Nordwesten Pakistans

Bei einem Angriff auf das chinesische Konsulat in Karachi im Süden Pakistans sind am Freitag mehrere Menschen getötet worden. Nach Angaben der pakistanischen Behörden wurden die drei Angreifer getötet sowie zwei Polizisten und zwei Zivilisten. Die Angreifer prangerten eine "Unterdrückung" durch China an, das in der Unruheregion Baluchistan ein Infrastrukturprojekt vorantreibt. Ebenfalls am Freitag wurde im Nordwesten Pakistan ein Bombenanschlag verübt, bei dem mehr als 30 Menschen getötet wurden.

Die Angreifer hätten versucht, in das Gebäude einzudringen, seien aber an einem Kontrollpunkt abgefangen worden, sagte der Polizeichef von Karachi, Ameer Sheikh. Nach Angaben von Behördenvertretern und Augenzeugen waren sie mit Handgranaten und Sturmgewehren bewaffnet. Einer von ihnen habe eine Sprengstoffweste getragen, die aber nicht explodiert sei, sagte ein Polizeivertreter.

"Alle Terroristen wurden eliminiert", sagte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi vor Journalisten in Islamabad. Die zum Zeitpunkt des Angriffs im Konsulat befindlichen Mitarbeiter seien an einen sicheren Ort gebracht worden.

China reagierte empört auf den Angriff in der größten Stadt Pakistans. "China verurteilt jegliche gewaltsame Angriffe auf diplomatische Behörden scharf und fordert von Pakistan, praktische Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit von chinesischen Bürgern und Einrichtungen in dem Land zu gewährleisten", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, in Peking.

China schätze "die Bemühungen der pakistanischen Seite", fügte er hinzu. Alle Konsulatsmitarbeiter seien in Sicherheit. Pakistans Regierungschef Imran Khan sagte, der Angriff werde die bilateralen Beziehungen nicht untergraben.

Zu der Tat bekannte sich die sogenannte Befreiungsarmee Baluchistans. In der gleichnamigen südwestlichen pakistanischen Provinz läuft derzeit ein großangelegtes chinesisches Investitionsprojekt, das mit dem Megaprojekt "Neue Seidenstraße" zusammenhängt.

Ein Sprecher der Extremisten sagte AFP am Telefon, seine Gruppe sehe "China zusammen mit den pakistanischen Einsatzkräften als Unterdrücker". Er warf ihnen vor, "die Zukunft Baluchistans zu zerstören".

In einer später an Medien versandten Erklärung hieß es, der Anschlag ziele darauf ab "klarzumachen, dass Chinas militärischer Expansionismus auf dem Boden Baluchistans nicht toleriert wird". Es wurde mit weiteren Anschlägen gedroht.

China ist ein enger verbündeter Pakistans. In den vergangenen Jahren hat Peking im Zuge des internationalen Projekts "Neue Seidenstraße" Milliarden in dem Land investiert.

Für Pakistan stellt die Teilnahme an dem Projekt eine große Herausforderung dar. Bereits in der Vergangenheit hatte es Angriffe auf Baustellen und chinesische Arbeiter gegeben. Viele Bewohner von Unruheprovinzen wie Baluchistan fühlen sich von den Profiten, die derartige Projekte bringen, ausgeschlossen.

Am Freitag wurden überdies bei einem Bombenanschlag im Nordwesten Pakistans mindestens 31 Menschen getötet und 50 verletzt. Der Sprengsatz detonierte nach Behördenangaben auf einem belebten Markt im mehrheitlich von Schiiten bewohnten Ort Kalaya im Stammesbezirk Orakzai.

Ersten Erkenntnissen zufolge war der Sprengsatz in einer Gemüsekiste versteckt, wie der örtliche Beamte Khalid Iqbal sagte. Unter den Toten waren nach Behördenangaben 22 Schiiten.

Orakzai ist eine von sieben halbautonomen Stammesregionen an der Grenze zu Afghanistan. Das Gebiet ist von Unruhen geprägt. Nach Einschätzung der USA ist die Region ein Zufluchtsort für Extremisten, darunter die afghanischen Taliban und das Terrornetzwerk Al-Kaida. Islamabad weist das zurück. Pakistan geht seit 2004 gegen Islamistengruppen in dem Gebiet vor.


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