21.11.2018, 14:29 Uhr

Dubai (AFP) Von USA unterstützter Südkoreaner Kim Jong Yang zu neuem Interpol-Chef gewählt

Der neue Interpol-Chef Kim Jong Yang. Quelle: YONHAP/AFP/YONHAP (Foto: YONHAP/AFP/YONHAP)Der neue Interpol-Chef Kim Jong Yang. Quelle: YONHAP/AFP/YONHAP (Foto: YONHAP/AFP/YONHAP)

Moskau kritisiert "unerhörten Druck" gegen seinen Kandidaten Prokoptschuk

Die Generalversammlung der internationalen Polizeibehörde Interpol hat am Mittwoch den von den USA unterstützten Südkoreaner Kim Jong Yang zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Die Mehrzahl der Delegierten entschied sich damit beim Treffen der Mitgliedstaaten in Dubai gegen den Russen Alexander Prokoptschuk, der lange als Favorit für den Posten galt. Das Auswärtige Amt und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gratulierten zu Kims Wahl.

Kim leitete die Polizeibehörde seit dem Rücktritt des bisherigen Interpol-Chefs Meng Hongwei kommissarisch und soll nun dessen Amtszeit bis 2020 vollenden. Meng war Ende September bei einer Reise in sein Heimatland China verschwunden. Erst später informierte Peking Interpol darüber, dass der Präsident von seinem Posten zurücktrete. Zudem gaben die chinesischen Behörden bekannt, dass gegen Meng wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt werde.

Der Interpol-Vize Prokoptschuk war vor der Wahl international angefeindet worden. Mehrere US-Senatoren warnten am Dienstag, der Kreml könne künftig die in Frankreich ansässige Organisation zur Verfolgung von Kreml-Kritikern im Ausland nutzen. Auch deutsche Politiker stellten sich gegen Prokoptschuk. Die Ukraine drohte mit dem Austritt aus der Organisation, sollte der Russe Präsident werden.

Am Dienstag sprach dann US-Außenminister Mike Pompeo eine Wahlempfehlung für Kim aus: Er rief die Mitgliedstaaten auf, für einen "integren Anführer" zu stimmen. "Wir glauben, dass Herr Kim ein solcher sein wird", sagte Pompeo. Auch London unterstützte die Kandidatur des Südkoreaners.

Moskau prangerte die Äußerungen im Vorfeld der Abstimmung als Wahlbeeinflussung an. "Natürlich tut es uns Leid, dass unser Kandidat nicht gewonnen hat", sagte Regierungssprecher Dmitri Peskow nach der Wahl. Diese habe in einer "Atmosphäre von unerhörtem Druck und Einmischung" stattgefunden. Es gebe aber "keine Gründe, dem Wahlergebnis nicht zuzustimmen".

Prokoptschuk wird nach Angaben des russischen Innenministeriums Vizepräsident von Interpol bleiben. Er werde sich "darauf konzentrieren, die Position Interpols in der internationalen Polizeigemeinschaft zu stärken und die Arbeitseffizienz der Organisation zu stärken", zitierten russische Nachrichtenagenturen Ministeriumssprecherin Irina Wolk.

Der frisch gewählte Kim sprach von "riesigen Herausforderungen für den Schutz der Öffentlichkeit und die Sicherheit". Um diese zu überwinden "brauchen wir eine klare Vision: Wir müssen eine Brücke in die Zukunft bauen", wurde er auf Twitter von Interpol zitiert.

Das Auswärtige Amt gratulierte dem Südkoreaner zu seiner Wahl und wünschte ihm "viel Erfolg". Das Ministerium sei "überzeugt", dass Kim eine "gute Wahl" sei. Das klare Wahlergebnis für ihn zeige, dass eine große Mehrheit der anderen Interpol-Mitglieder ebenso denke.

Auch Seehofer begrüßte die Wahl und gratulierte Kim. "Prioritäres deutsches Anliegen" sei es, dass der neue Interpol-Präsident bis zum Ende seiner Amtszeit "Stabilität und Kontinuität in der Sacharbeit" gewährleiste.

Die 1923 gegründete Polizeibehörde wählt regulär alle vier Jahre ihren Chef. Der Posten ist ein Ehrenamt, der Präsident sitzt beispielsweise der Generalversammlung vor. Für die operative Arbeit am Dienstort Lyon zeichnet der Generalsekretär verantwortlich - derzeit ist dies der Deutsche Jürgen Stock, der im November 2014 für fünf Jahre ernannt wurde.


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