19.11.2018, 21:10 Uhr

Sanaa (AFP) Neue Hoffnung für den Jemen

Zerstörter Vorort der Hafenstadt Hodeida im Jemen. Quelle: AFP/STRINGER (Foto: AFP/STRINGER)Zerstörter Vorort der Hafenstadt Hodeida im Jemen. Quelle: AFP/STRINGER (Foto: AFP/STRINGER)

Regierung und Huthi-Rebellen unterstützen neue UN-Friedensgespräche

In die Friedensbemühungen für den Jemen kommt Bewegung: Die Regierung des Bürgerkriegslandes und die Huthi-Rebellen haben am Montag ihre Unterstützung für neue Friedensgespräche unter UN-Vermittlung signalisiert. Während das jemenitische Außenministerium ankündigte, eine Delegation zu den geplanten Verhandlungen nach Stockholm zu schicken, stellten die Rebellen einen Waffenstillstand in Aussicht. Großbritannien verlangte in einem UN-Resolutionsentwurf ein sofortiges Ende der Gefechte in der umkämpften Hafenstadt Hodeida.

Die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi sagte zu, eine Delegation zu den Friedensgesprächen zu entsenden, um "eine politische Lösung" für ein Ende des blutigen Konflikts zu erreichen. Das jemenitische Außenministerium rief die UNO auf, Druck auf die Rebellen auszuüben, damit sich diese "ohne Bedingungen" an den Verhandlungen in Schweden beteiligten.

Ein hochrangiger Vertreter der Rebellen, Mohammed Ali al-Huthi, hatte seine Kämpfer zuvor aufgerufen, "den Beschuss durch Raketen und Drohnen" auch gegen Saudi-Arabien einzustellen. Er sprach sich dafür aus, "alle Militäroperationen an allen Fronten einzustellen, um Frieden zu schaffen".

Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, wird nach Angaben seines Büros am Mittwoch zu einem Besuch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eintreffen, um die Friedensgespräche in Stockholm endgültig zu vereinbaren. Er befürwortete die Ankündigung der Huthi-Rebellen und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte dem Radiosender Europe 1, womöglich gebe es Anfang Dezember ein Treffen aller Akteure in Schweden.

Derweil bemühte sich die britische Regierung darum, auf internationaler Ebene den Druck auf die Kriegsparteien zu erhöhen. London brachte einen Resolutionsentwurf in den UN-Sicherheitsrat ein, in dem eine sofortige Waffenruhe in der von den Rebellen kontrollierten Hafenstadt Hodeida gefordert wird. Die Kriegsparteien werden außerdem dazu aufgerufen, binnen zwei Wochen die Hürden für humanitäre Lieferungen zu beseitigen.

Außenminister Jeremy Hunt sprach in Teheran mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif. "Wir sind sehr, sehr daran interessiert, im Jemen für Frieden zu sorgen. Das ist im Moment unsere oberste Priorität", sagte Hunt dem britischen Fernsehsender BBC.

Im Jemen herrscht seit 2014 ein Krieg zwischen den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen und den von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Die Kämpfe intensivierten sich Anfang November, als die von Riad angeführte Militärkoalition eine neue Offensive auf Hodeida startete.

Angesichts des wachsenden internationalen Drucks stellten die Regierungstruppen ihre Angriffe in der vergangenen Woche vorerst ein - anders als die Militärkoalition, die nach eigenen Angaben weiter Stellungen der Rebellen ins Visier nimmt. Saudi-Arabiens König Salman erklärte aber, er unterstütze die Suche nach einer "politischen Lösung" im Jemen.

Im September waren Friedensgespräche zwischen den schiitischen Rebellen und der jemenitischen Regierung gescheitert, bevor sie überhaupt begonnen hatten. Anders als die Regierungsdelegation waren die Huthis gar nicht erst zu den Gesprächen in Genf angereist. Sie warfen dem Regierungslager vor, ihre Bedingungen für eine Teilnahme nicht vollauf erfüllt zu haben.

In dem Bürgerkrieg wurden nach UN-Angaben bereits rund 10.000 Menschen getötet, unter ihnen tausende Zivilisten. Infolge des Konflikts leiden demnach acht Millionen Einwohner unter Lebensmittelengpässen, insgesamt 14 Millionen Menschen im Jemen sind den Angaben zufolge von Hungersnöten bedroht.


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