18.11.2018, 10:46 Uhr

Berlin (AFP) Sonntagstrend: Union profitiert von Wettstreit um CDU-Vorsitz

Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn. Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn. Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)

Merz laut Umfrage aussichtsreichster Kandidat

Der Wettbewerb um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze der CDU wirkt sich laut einer Umfrage für die Union positiv bei der Wählergunst aus. Im Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid und der "Bild am Sonntag" legten CDU/CSU um einen Punkt auf 26 Prozent zu, während die SPD weiterhin bei 15 Prozent stagniert.

Die Grünen verlieren laut Umfrage einen Punkt und kommen damit auf 21 Prozent. Die AfD erreicht unverändert 15 Prozent, die Linke kommt auf neun Prozent, die FDP auf acht Prozent. Die sonstigen Parteien landen zusammen bei sechs Prozent.

Merkel hatte Ende Oktober angekündigt, den Parteivorsitz abzugeben. Bis Mitte November stellen sich nun die Kandidaten für ihre Nachfolge bei einer Reihe von CDU-Regionalkonferenzen vor. Das sind bislang der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz, CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Gewählt wird der neue Chef im Dezember auf einem Parteitag in Hamburg von den Delegierten.

Laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "BamS" würde derzeit fast jeder dritte Deutsche Merz zum CDU-Parteichef wählen. Merz habe sich im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt auf 31 Prozent verbessert, berichtet die Zeitung. Kramp-Karrenbauer liegt demnach mit 30 Prozent knapp dahinter - in der Vorwoche hatte ihre Zustimmungsrate noch bei 32 Prozent gelegen. Spahn legte um drei Punkte auf zwölf Prozent zu.

Noch deutlicher ist das Bild laut "BamS" bei den Unions-Anhängern: Von ihnen seien 49 Prozent für Merz, 32 Prozent für Kramp-Karrenbauer und sieben Prozent für Spahn.

Der Gesundheitsminister sagte der "BamS" zu seinen Umfragewerten: "Mir wurde schon öfter prophezeit, keine Chance zu haben. Das motiviert mich." Das Rennen um den CDU-Vorsitz habe gerade erst begonnen und sei "völlig offen". Spahn versicherte, er werde auf alle Fälle beim Bundesparteitag antreten und seine Kandidatur nicht vorher zurückziehen.

Die Neuwahl des Parteivorsitzes gilt auch als Entscheidung über den künftigen inhaltlichen Kurs der CDU. Während Kramp-Karrenbauer als Merkel-Vertraute als eine Vertreterin eines Kurses der Mitte gilt, steht Spahn für den konservativen Flügel der CDU, Merz wird als Vertreter wirtschaftsliberaler Positionen angesehen. In Interviews und bei ihren öffentlichen Auftritten versuchten die Kandidaten zuletzt jedoch, ihr Profil zu erweitern.

Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union, Carsten Linnemann, sprach sich gegen einen Rechtsruck der Partei aus. "Die Menschen wollen keinen Rechtsruck. Sie wollen konsequente Rechtsstaatlichkeit", schreibt Linnemann in einem Beitrag für den "Tagesspiegel" (Sonntagsausgabe) aus Berlin. "Und die Anwendung des gesunden Menschenverstandes. Und genau dafür muss die Union wieder stehen!"

Der Vizevorsitzende der Unionsfraktion kritisierte zudem die Politik Merkels. "Die jahrelange asymmetrische Demobilisierung, also das Vermeiden kontroverser Debatten, damit aus potenziellen Wählern anderer Parteien Nichtwähler werden, fällt uns heute auf die Füße", schrieb er. "Der Frust, das Unbehagen und die Wut auf die Politik – vor allem auf die Große Koalition – wachsen."


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