15.11.2018, 21:20 Uhr

Lübeck (AFP) Bei erster Vorstellungskonferenz begeistert besonders Merz die CDU

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)

Kandidaten für Merkel-Nachfolge halten sich in Kanzler-Frage bedeckt

Mit viel Fairness und Respekt füreinander haben sich die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz in einer ersten Regionalkonferenz der Basis vorgestellt: Bei der Veranstaltung am Donnerstagabend in Lübeck bekam besonders der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz viel Applaus von den rund 800 angereisten CDU-Mitgliedern. Auf die Frage nach möglichen Ambitionen auf die Kanzlerschaft hielt er sich ebenso bedeckt wie seine Kontrahenten Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn.

Nach dem monatelangen Streit in den Unionsparteien bemühten sich die Bewerber um die Nachfolge der scheidenden CDU-Vorsitzenden Angela Merkel auffällig um einen sachlichen Ton untereinander. "Der politische Gegner sitzt immer in den anderen politischen Parteien. Er sitzt nie in den eigenen Reihen", sagte CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer.

Gemessen am Applaus der CDU-Mitglieder aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern kann Merz sich als Sieger des Abends in Lübeck fühlen. Großen Zuspruch erhielt er etwa für seine Ankündigung, die CDU wieder zu 40 Prozent Zuspruch in der Bevölkerung führen und die AfD in ihren Ergebnissen halbieren zu wollen. Wie die beiden anderen Kandidaten betonte er zudem, dass die CDU wieder die Partei der Rechtsstaatlichkeit sein müsse.

Kramp-Karrenbauer zeigte sich unzufrieden mit den aktuellen Umfragewerten der CDU: "26 Prozent sind für eine Volkspartei keine Marge." Sie rief die CDU zur Einigkeit auf und warnte die Partei davor, den Streit über den Umgang mit der Flüchtlingskrise seit dem Herbst 2015 zu einem Trauma werden zu lassen, wie es die Agenda 2010 mit den Hartz-IV-Reformen für die SPD geworden sei. Sie betonte zudem ihre langjährige Erfahrung als erfolgreiche Wahlkämpferin und saarländische Ministerpräsidentin.

Die Lage der CDU erfordere weder "Kontinuität" oder ein "Zurück in die Vergangenheit", sagte der 38-jährige Spahn in Anspielung auf die Merkel-Vertraute Kramp-Karrenbauer und Merz, der in den vergangenen Jahren nicht in der Partei, sondern in der freien Wirtschaft unterwegs war. Erforderlich seien ein "echter Neustart" und ein "Generationenwechsel", hob der 38-jährige Gesundheitsminister hervor.

Bis Ende November sollen sich die drei Kandidaten auf bundesweit sieben weiteren Regionalkonferenzen der Basis vorstellen. Die CDU hat die Veranstaltungen unter das Motto "Demokratie erleben. Zukunft gestalten" gestellt.

Nach der Vorstellungsrunde konnten die Parteimitglieder den Kandidaten in Lübeck Fragen stellen. Dabei ging es etwa um bezahlbaren Wohnraum, eine Steuerreform oder die Flüchtlingspolitik, insgesamt wurde drei Stunden diskutiert.

Bedeckt hielten sich alle drei Kandidaten, als sie nach ihren Absichten gefragt wurden, Merkel auch im Kanzleramt zu beerben. "Dieser Parteivorsitz steht zuerst erst einmal für sich selbst", sagte Kramp-Karrenbauer. Merz und Spahn räumten Meinungsverschiedenheiten mit Merkel ein, betonten aber beide ihren Willen zur guten Zusammenarbeit.

Es gebe eine "richtige Aufbruchstimmung in der Partei", sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther als Gastgeber der Konferenz in Lübeck. Er lobte den "fairen Wettbewerb" der Bewerber und äußerte die Hoffnung, dass die CDU auch nach der Wahl auf die Kandidaten setzen kann: "Wir brauchen Euch am Ende alle drei in verantwortungsvollen Positionen."


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