08.11.2018, 11:59 Uhr

Ottawa (AFP) Kanada entschuldigt sich für Abweisung jüdischer Flüchtlinge 1939

Trudeau entschuldigt sich für Abweisung hunderter Juden 1939 . Quelle: AFP/Archiv/Ludovic MARIN (Foto: AFP/Archiv/Ludovic MARIN)Trudeau entschuldigt sich für Abweisung hunderter Juden 1939 . Quelle: AFP/Archiv/Ludovic MARIN (Foto: AFP/Archiv/Ludovic MARIN)

Viele der Abgewiesenen starben später in den NS-Todeslagern

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat sich im Namen seines Landes für die Abweisung jüdischer Flüchtlinge kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entschuldigt. "Wir entschuldigen uns für die Herzlosigkeit der kanadischen Antwort", sagte Trudeau am Mittwoch im Parlament in Ottawa. Kanada habe sich geweigert zu helfen, wo es habe helfen können, und damit zum "grausamen Schicksal" vieler Menschen beigetragen, die später in den NS-Vernichtungslagern ermordet wurden.

In seiner Rede bezog sich Trudeau auf das Flüchtlingsschiff "St. Louis". Das Schiff war im Mai 1939 mit mehr als 900 Juden an Bord auf der Flucht vor der NS-Verfolgung in Hamburg in See gestochen. Die Passagiere wurden aber weder in Kuba, noch in den USA, noch in Kanada an Land gelassen.

Die "St. Louis" musste deswegen nach Europa zurückkehren. 254 der abgewiesenen Juden wurden später in Auschwitz, Treblinka oder Belzec von den Nazis ermordet. Die Irrfahrt des Schiffes wurde später in dem Drama "Reise der Verdammten" verfilmt.

Nach Angaben des kanadischen Regierungschefs waren damals nur 160.000 der elf Millionen Einwohner Kanadas Juden. "Und dennoch waren das für viele Kanadier noch zu viele - darunter auch für Frederick Charles Blair, der damals für die Einwanderungspolitik der Regierung zuständig war", sagte Trudeau.

"Die Zeit hat Kanada nicht von seiner Schuld freigesprochen oder das Gewicht der Schande gemindert", sagte er weiter. Die Entschuldigung seines Landes sei "lange überfällig".

Der 46-jährige Premierminister rief seine Landsleute auf, sich Ausländerhass und Antisemitismus entgegenzustellen. Juden würden immer noch Opfer von Diskriminierung und Gewalt. "Traurigerweise endeten diese Übel nicht mit dem Zweiten Weltkrieg."

Vor seiner Rede hatte sich Trudeau mit Ana Maria Gordon, einer der letzten Überlebenden der "St. Louis", und ihrer Familie getroffen. Sie sprachen ebenfalls über die Notwendigkeit, weiter gegen den Judenhass anzugehen.


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