08.11.2018, 12:29 Uhr

Washington (AFP) Trump setzt am Tag nach Zwischenwahlen Feldzug gegen kritische Medien fort

Trump attackiert Journalisten. Quelle: AFP/Mandel NGAN (Foto: AFP/Mandel NGAN)Trump attackiert Journalisten. Quelle: AFP/Mandel NGAN (Foto: AFP/Mandel NGAN)

Weißes Haus entzieht CNN-Journalisten nach Wortgefecht Akkreditierung

Am Tag nach der Kongresswahl hat US-Präsident Donald Trump seine wütenden Attacken gegen kritische Medien auf die Spitze getrieben: Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch legte sich Trump gleich mit mehreren Journalisten an und versuchte, diese zum Schweigen zu bringen. Im Anschluss entzog das Weiße Haus dem bekannten CNN-Reporter Jim Acosta die Akkreditierung, den Trump als "Volksfeind" diffamierte. Der Sender sprach von einer "Bedrohung unserer Demokratie", Journalistenverbände legten Protest ein.

Acostas Presseausweis für das Weiße Haus sei bis auf Weiteres ausgesetzt, erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Sie warf Acosta nach dessen hitzigem Rededuell mit dem Präsidenten ein "absolut inakzeptables" Verhalten vor.

Trump glaube an eine freie Presse und begrüße "harte Fragen", erklärte Sanders. "Wir werden aber nie tolerieren, dass ein Reporter eine junge Frau anfasst, die nur ihren Job als Praktikantin im Weißen Haus machen wollte" - ein irreführender Verweis auf den Moment, an dem Acosta das Mikrofon nicht abgeben wollte und sich die Arme der beiden überkreuzten.

"Sanders lügt", antwortete CNN in einer Stellungnahme. Der Entzug der Akkreditierung sei eine "Vergeltungsmaßnahme" wegen der hartnäckigen Fragen des Journalisten. Der Vorgang sei "eine Bedrohung für unsere Demokratie".

Zu der beispiellosen Auseinandersetzung im Weißen Haus kam es, als Acosta Trump zu seinen Verbalattacken auf die zentralamerikanischen Flüchtlinge befragte, die sich derzeit zu Tausenden auf dem Weg in Richtung USA befinden. Auf die Frage des Journalisten, ob er die Flüchtlingstrecks im Wahlkampf bewusst "verteufelt" habe, reagierte Trump zunächst ausweichend.

Als Acosta nachhakte und sagte, bei den Migranten lasse sich kaum von einer "Invasion" sprechen, platzte dem Präsidenten der Kragen. "Ehrlich gesagt sollten Sie mich das Land führen lassen. Sie leiten CNN, und wenn Sie gut wären, wären die Einschaltquoten höher", fuhr er den Reporter an.

Als dieser eine weitere Frage stellen wollte, entzog Trump ihm das Wort und sagte wiederholt: "Das reicht." Die Praktikantin wollte Acosta daraufhin das Mikrofon abnehmen, der Journalist drehte sich aber weg, hielt das Mikrofon fest und stellte Trump eine Frage zu den Russland-Ermittlungen.

Trump antwortete kurz und ging dann dazu über, Acosta wüst zu beschimpfen: CNN müsse sich schämen, ihn als Mitarbeiter zu haben. "Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten." Kurz darauf bezeichnete der Präsident Acosta wegen der angeblichen Verbreitung von "Falschnachrichten" durch CNN gar als "Feind des Volkes".

Im Verlauf der Pressekonferenz im Weißen Haus redete sich Trump regelrecht in Rage. Er beklagte eine "feindselige" Stimmung im Raum. Auch der NBC-Journalist Peter Alexander bekam sein Fett weg, als er Acosta als "gewissenhaften Reporter" in Schutz nahm. "Ich bin auch kein Fan von Ihnen", rief Trump. Der afroamerikanischen Korrespondentin Yamiche Alcindor warf er vor, ihn mit einer "rassistische Frage" beleidigt zu haben.

Die Internationale Journalistenföderation prangerte am Donnerstag die "verbale Gewalt" des US-Präsidenten gegenüber Journalisten an. Das Vorgehen gegen Acosta bei der Pressekonferenz sei "nicht hinnehmbar".

Auch die Vereinigung der Korrespondenten beim Weißen Haus reagierte empört. Der Entzug von Acostas Akkreditierung sei "unverhältnismäßig" und müsse rückgängig gemacht werden.

Der US-Präsident greift regelmäßig kritisch über ihn berichtende Medien heftig an, indem er ihnen die Verbreitung von "Falschnachrichten" vorwirft. Auch prangert er sie immer wieder als "Volksfeinde" an.


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