06.11.2018, 11:27 Uhr

San Francisco (AFP) Facebook und Instagram sperren vor US-Wahl mehr als hundert Konten

Falschmeldungen auf dem Handy? Quelle: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT (Foto: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT)Falschmeldungen auf dem Handy? Quelle: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT (Foto: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT)

Chefs der US-Sicherheitsbehörden warnen Wähler vor Manipulation durch Russland

Unmittelbar vor den US-Kongresswahlen haben die Online-Netzwerke Facebook und Instagram 115 Nutzerkonten wegen mutmaßlicher ausländischer Einflussnahme gesperrt. Mit der Sperrung reagierte der Facebook-Konzern nach eigenen Angaben auf eine Warnung der US-Behörden, die sich am Sonntagabend direkt an das Unternehmen gewendet hätten. Russische Einmischungsversuche bereiteten auch den Chefs der US-Sicherheitsbehörden Sorge: In einem gemeinsamen Appell mahnten sie die Wähler zur Wachsamkeit.

Die 30 gesperrten Facebook-Konten seien allesamt mit Webseiten in russischer und französischer Sprache verbunden, erklärte der für Cybersicherheit verantwortliche Facebook-Manager Nathaniel Gleicher am Montag (Ortszeit). Beim Tochterunternehmen Instagram seien 85 Konten blockiert worden, die zumeist zu englischsprachigen Seiten führten.

Gleicher wollte sich nicht zu der Frage äußern, wer hinter dem mutmaßlichen Manipulationsversuch stecken könnte. Dies werde geprüft. "Da wir aber nur einen Tag vor wichtigen Wahlen in den USA stehen, wollten wir die Menschen über unser Vorgehen informieren und darüber, was wir bislang wissen."

Der Verdacht deute darauf hin, dass es in den fraglichen Fällen um "koordiniertes nicht authentisches Verhalten" gehe, das gegen die Nutzungsbedingungen der Netzwerke verstoße, erklärte Gleicher.

Seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 stehen die Online-Netzwerke unter verstärktem Druck: Die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland eine koordinierte Manipulationskampagne zu Beeinflussung der Wahl führte - auch über die sozialen Netzwerke. Russland soll sich damals zugunsten des späteren Wahlsiegers Donald Trump eingemischt haben. Facebook geht nach eigenen Angaben inzwischen verstärkt gegen Manipulationsversuche vor.

In einem gemeinsamen Appell warnten die Chefs der Sicherheitsbehörden kurz vor der Öffnung der Wahllokale am Dienstag vor einer Manipulation durch Fehlinformationen aus Russland. Den US-Wählern müsse bewusst sein, "dass ausländische Akteure - insbesondere Russland - die öffentliche Stimmung und die Wahrnehmungen der Wähler zu beeinflussen versuchen", hieß es in der Erklärung. Um dieser Gefahr entgegenzutreten, sollten die US-Wähler "informiert bleiben und verdächtige Aktivitäten melden".

Unterzeichnet wurde der Aufruf von Geheimdienstdirektor Dan Coats, FBI-Chef Christopher Wray, Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen und Justizminister Jeff Sessions.

Sie warnten, dass die ausländischen Akteure in den USA "Zwietracht säen" wollten. "Sie tun dies durch die Verbreitung falscher Informationen über politische Prozesse und Kandidaten, Lügen über ihre eigenen Manipulationsversuche, Verbreitung von Propaganda in sozialen Medien und durch andere Taktiken."

Die Sicherheitschefs erklärten zugleich, dass es keine Hinweise auf konkrete Eingriffe in den Ablauf der Kongress- und Gouverneurswahlen am Dienstag gebe - etwa durch die Verhinderung der Stimmabgabe, der Auszählung oder der Änderung des Auszählungsergebnisses.

Bei den Kongresswahlen am Dienstag in den USA werden die Weichen für die zweite Hälfte von Präsident Trumps Amtszeit gestellt. Gewählt werden sämtliche 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie 35 der 100 Senatoren. Bislang beherrscht Trumps Republikanische Partei beide Kammern. Die Umfragen geben den oppositionellen Demokraten jedoch gute Chancen, zumindest das Repräsentantenhaus zu erobern.


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