05.11.2018, 14:32 Uhr

Istanbul (AFP) Ankara: Saudi-Arabien schickte nach Tötung Khashoggis "Vertuschungsteam"

Neue Vorwürfe gegen Saudi-Arabien im Fall Khashoggi. Quelle: AFP/Archiv/Yasin AKGUL (Foto: AFP/Archiv/Yasin AKGUL)Neue Vorwürfe gegen Saudi-Arabien im Fall Khashoggi. Quelle: AFP/Archiv/Yasin AKGUL (Foto: AFP/Archiv/Yasin AKGUL)

Neue Enthüllungen aus der Türkei belasten Führung in Riad

Nach der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudiarabischen Konsulat in Istanbul hat das Königreich nach türkischen Angaben ein "Vertuschungsteam" an den Bosporus geschickt, um die Spuren zu beseitigen. Ein türkischer Regierungsvertreter sagte am Montag, zu dem Team, das am 11. Oktober nach Istanbul gereist sei, hätten ein Chemiker und ein Toxikologe gehört. Khashoggis Söhne forderten derweil die Bestattung ihres Vaters im saudiarabischen Medina.

"Wir glauben, dass die beiden Personen für den alleinigen Zweck in die Türkei gekommen sind, die Beweise für den Mord an Jamal Khashoggi zu beseitigen, bevor der türkischen Polizei erlaubt wurde, den Ort zu durchsuchen", sagte der Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. Die Entsendung dieses "Vertuschungsteams" neun Tage nach dem Mord deute darauf hin, dass die Tötung "den obersten Vertretern Saudi-Arabiens" bekannt gewesen sei.

Der Regierungsvertreter bestätigte mit seinen Äußerungen einen Bericht der regierungsnahen Zeitung "Sabah". Demnach kam das "sogenannte Ermittlerteam" über mehrere Tage in das Istanbuler Konsulat, in dem Khashoggi am 2. Oktober getötet worden war, bevor es die Türkei am 20. Oktober verließ. Riad erlaubte den türkischen Ermittlern erst nach tagelangen Verhandlungen am 15. Oktober, das Konsulat zu durchsuchen.

Der "Washington Post"-Kolumnist war am 2. Oktober in das Konsulat Saudi-Arabiens gegangen, um ein Dokument für seine Heirat abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Unter internationalem Druck gab Saudi-Arabien nach wochenlangen Dementis schließlich die Tötung des 59-Jährigen zu, weist aber weiterhin Vorwürfe zurück, dass die Tat vom saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman angeordnet worden sei.

Ankara hat es bisher vermieden, dem Kronprinzen direkt die Schuld zu geben, doch veröffentlichen türkische Medien laufend Details aus den Ermittlungen, die ihn belasten. Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb am Freitag in der "Washington Post", der Befehl zur Tötung Khashoggi sei "von der obersten Ebene" der saudiarabischen Regierung gekommen. Er glaube allerdings "nicht eine Sekunde", dass König Salman die Tat angeordnet habe.

Der Fall hat das Ansehen des Kronprinzen massiv beschädigt, der sich zuvor als moderner Reformer dargestellt hatte. Auch hat er neue Aufmerksamkeit auf die saudiarabische Intervention im Bürgerkrieg im Jemen gelenkt, wo eine Hungersnot droht, sowie auf die Menschenrechtslage in dem Land. Bei einer Befragung vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf am Montag musste sich Saudi-Arabien zahlreichen kritischen Fragen stellen.

Der britische UN-Botschafter Julien Braithwaite zeigte sich "zutiefst besorgt über die sich verschlechternde Menschenrechtslage in Saudi-Arabien", vor allem aber über den Mord an Khashoggi. Der US-Vertreter Mark Cassayre verurteilte entschieden "diese vorsätzliche Tötung" und forderte eine "umfassende, abschließende und transparente Untersuchung". Die saudiarabische Delegation hob dagegen Fortschritte beim Schutz der Menschenrechte hervor.

Bisher ist ungeklärt, was mit der Leiche Khashoggis passierte. Der türkische Präsidentenberater Yasin Aktay hatte gesagt, sie sei womöglich in Säure aufgelöst worden. Vize-Präsident Fuat Oktay forderte am Montag, dass "all diese Berichte untersucht werden". Es habe einen "vorsätzlichen Mord" gegeben und nun müsse geklärt werden, "wer den Befehl für diesen Mord auf türkischem Boden erteilt hat", sagte Oktay laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Khashoggis Söhne forderten Riad auf, ihnen den Leichnam ihres Vaters zu übergeben. Sie wollten ihn auf einem Friedhof in der heiligen Stadt Medina beisetzen, auf dem auch andere Familienangehörige bestattet sind, sagte Salah Khashoggi dem US-Nachrichtensender CNN in einem Interview am Sonntag. Dessen Bruder Abdullah sagte, er hoffe, sein Vater sei "ohne Schmerz oder schnell" gestorben.


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