04.11.2018, 19:32 Uhr

Berlin (AFP) "Wachgeküsst": CDU-Spitze will bei Suche von Merkel-Nachfolger Basis einbeziehen

CDU-Parteizentrale. Quelle: dpa/AFP/Gregor Fischer (Foto: dpa/AFP/Gregor Fischer)CDU-Parteizentrale. Quelle: dpa/AFP/Gregor Fischer (Foto: dpa/AFP/Gregor Fischer)

Bewerber sollen sich auf Regionalkonferenzen vorstellen

Die Bewerber für die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Vorsitzende sollen sich bei Regionalkonferenzen der Parteibasis vorstellen. Über Orte und Termine beriet die CDU-Parteispitze am Sonntagabend in Berlin. Die Zeit drängt, bis zum Parteitag in Hamburg sind es noch viereinhalb Wochen. Bei der CDU war die Rede davon, dass es acht bis neun solcher Konferenzen bis Ende November geben könnte.

Gewählt wird der neue Parteichef auf einem Parteitag Anfang Dezember in Hamburg von rund tausend Delegierten. Die sollten in den kommenden Wochen "ihre Ohren aufsperren" und zuhören, wie die Stimmungen auf den Regionalkonferenzen seien, sagte der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl der Klausur der Parteispitze in Berlin.

Strobl machte zudem den Vorschlag, auch interessierte Bürger und Anhänger in den Prozess der Nachfolgersuche einzubeziehen. Für die CDU sei dies eine "riesige Chance", sagte der Vizevorsitzende. Er sieht seine Partei sogar regelrecht "wachgeküsst".

Bislang haben drei prominente Bewerber ihre Kandidatur für die Nachfolge Merkels auf dem Posten des CDU-Vorsitzenden angekündigt: CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Gesundheitsminister Jens Spahn und der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz. Hinzu kommen nach jetzigem Stand neun nicht so bekannte Bewerber, wie CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler nach Angaben von Teilnehmern in der Klausurtagung mitteilte.

Besonders Kramp-Karrenbauer hatte in den vergangenen Monaten einen engen Kontakt zur Basis, da sie im Rahmen ihrer "Zuhörtour" Dutzende Veranstaltungen in ganz Deutschland absolvierte. Merz hingegen trat in den vergangenen Jahren innerhalb der Partei nicht in Erscheinung. Kramp-Karrenbauer teilte der Parteispitze mit, wegen ihrer Kandidatur bis zur Wahl die Aufgaben abzugeben, die ihr in dem Wettbewerb einen Vorteil verschaffen könnten. Dazu gehört etwa die Organisation des Parteitags selbst.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Armin Laschet, die rheinland-pfälzische Parteichefin Julia Klöckner und Strobl als Chef der baden-württembergischen CDU machten deutlich, dass sie den Meinungsbildungsprozess in der CDU nicht beeinflussen wollen. "Ich werde mich hüten, diesen Prozess abzuwürgen, indem ich wage, von oben herab zu sagen, wer der richtige Kandidat ist", sagte Klöckner.

Es sei "unangemessen", Vorfestlegungen durch die Parteiführung zu machen, bevor die Kandidaten sich der Basis vorgestellt hätten, sagte auch Laschet. Er sprach sich zudem dafür aus, dass alle Delegierten frei entscheiden und es keine Festlegungen der Landesverbände gibt. "Ich halte nichts davon, wenn Landesverbände eigene Voten abgeben", sagte der Chef der NRW-CDU in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Die Vorsitzende der Frauen-Union, Anette Widmann-Mauz, stellte sich bereits klar hinter Kramp-Karrenbauer. Als frühere saarländische Ministerpräsidentin habe Kramp-Karrenbauer Regierungserfahrung, sagte Widmann-Mauz in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". "Sie hat gezeigt, dass sie Wahlen gewinnen kann und sie ist in der Lage, die unterschiedlichen Strömungen in der CDU zusammenzuführen. Das ist das, was die CDU jetzt braucht mit einem klaren Aufbruch in die Zukunft."


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