04.11.2018, 14:04 Uhr

Noumea (AFP) Neukaledonien stimmt für Frankreich


Überseegebiet im Südpazifik erteilt Unabhängigkeit eine Absage

Neukaledonien bleibt ein Teil Frankreichs. Die Bewohner des rund 18.000 Kilometer vom französischen Mutterland entfernt im Südpazifik gelegenen Überseegebiets stimmten bei einem Referendum am Sonntag mit einer klaren Mehrheit von 56,4 Prozent gegen die Unabhängigkeit. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich "stolz" über das Ergebnis, das er als Vertrauenserklärung für Frankreich wertete.

Die Absage an die Unabhängigkeit fiel dem amtlichen Endergebnis zufolge allerdings deutlich schwächer aus als erwartet: Umfragen hatten zwischen 63 und 75 Prozent für das Nein vorausgesagt. Die Beteiligung an der Abstimmung war mit mehr als 80 Prozent sehr hoch. Auf der Inselgruppe leben rund 270.000 Menschen, weniger als die Hälfte sind Ureinwohner.

Nach der Abstimmung wurden vereinzelte Steinwürfe frustrierter Unabhängigkeitsbefürworter gemeldet, Autos brannten aus. Das Referendum selbst verlief jedoch friedlich.

In den 80er Jahren hatten Konflikte zwischen Nachfahren der sich selbst als "Kanaken" bezeichnenden Ureinwohner und europastämmigen Bewohnern gewalttätige Zusammenstöße ausgelöst, bei denen mehr als 70 Menschen starben. Als Reaktion wurde das Nouméa-Abkommen geschlossen, das eine Dezentralisierung der Macht sowie das Unabhängigkeitsreferendum vom Sonntag sowie zwei weitere mögliche Volksabstimmungen bis 2022 vorsieht.

Vertreter der Unabhängkeitsbewegung werteten die Tatsache, dass weniger Bewohner als erwartet mit Nein gestimmt hatten, als Erfolg: "Wir sind nur noch eine Handbreit vom Sieg entfernt und zwei weitere Abstimmungen kommen noch", sagte Alosio Sako von der Unabhängigkeitsbewegung FLNKS. "Die Kanaken wissen jetzt, dass sie ihre Entschlossenheit demonstrieren müssen, endlich frei zu sein."

Unabhängigkeitsgegner verweisen dagegen unter anderem auf die 1,3 Milliarden Euro, die der französische Staat jedes Jahr in die öffentlichen Kassen Neukaledoniens fließen lässt. Andere befürchten einen größeren Einfluss Chinas im Pazifik, sollte Frankreich in der Region weniger präsent sein.

Die Inselgruppe gehört seit 1853 zu Frankreich und besitzt nach wie vor geostrategische Bedeutung für Paris. Zudem lagert hier ein Viertel der weltweiten Nickelvorkommen - ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung elektronischer Geräte.

Frankreich ist seit einigen Jahren auch in anderen Überseegebieten mit Protesten und Unabhängigkeitsforderungen konfrontiert. Das in Südamerika gelegene Französisch-Guyana und der Archipel Mayotte im Indischen Ozean erlebten heftige Proteste gegen den niedrigen Lebensstandard und die von vielen Bewohnern empfundene Vernachlässigung durch Paris.


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