04.11.2018, 12:44 Uhr

Teheran (AFP) Tausende Menschen demonstrieren im Iran gegen die USA

Demonstranten in Teheran. Quelle: AFP/ATTA KENARE (Foto: AFP/ATTA KENARE)Demonstranten in Teheran. Quelle: AFP/ATTA KENARE (Foto: AFP/ATTA KENARE)

Wut in Teheran vor Inkrafttreten neuer US-Sanktionen am Montag

Wut und Empörung im Iran vor dem Inkrafttreten neuer US-Sanktionen ab Montag: Tausende Menschen protestierten am Sonntag in Teheran und anderen Städten des Landes gegen die USA und verbrannten symbolisch US-Flaggen und Dollarscheine. Die Sanktionen zielten darauf ab, die Wirtschaft des Iran zum Stillstand zu bringen und das Land rückständig zu halten, kritisierte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei am Samstag.

Bei den Protesten in Teheran hielten viele Demonstranten Plakate in die Höhe, auf denen sie US-Präsident Donald Trump verspotteten. Auf Transparenten stand "Nieder mit den USA, nieder mit Israel - Sieg für den Islam". Viele Teilnehmer traten sich auf übergroßen Nachdrucken von Hundert-Dollar-Noten die Füße ab.

Der "Wirtschaftskrieg" Washingtons sei ein neuer Versuch, die islamische Republik zu stürzen, rief der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Ali Dschafari, den Demonstranten zu. Der Iran werde "diese letzte vom Feind erhobene Waffe" aber bezwingen. An Trump gerichtet sagte er: "Bedrohen Sie niemals den Iran!" Dschafari beschrieb Trump als "merkwürdigen Präsidenten".

Auch in anderen iranischen Städten gab es Proteste. Sie fanden am Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran statt, der stets von Demonstrationen gegen die USA begleitet wird. Am 4. November 1979 hatten radikale Studenten während der islamischen Revolution die US-Botschaft gestürmt und 444 Tage lang mehr als 50 US-Diplomaten als Geiseln genommen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran wurden damals abgebrochen.

In den vergangenen 40 Jahren hätten die USA "zahlreiche Anstrengungen" gegen den Iran unternommen - "militärische, wirtschaftliche und mediale Kriegsführung", kritisierte das geistliche Oberhaupt Ayatollah Chamenei auf Twitter. Allerdings seien in diesem Kampf die USA die "Besiegten". Der Iran werde auch aus dem derzeitigen Konflikt "siegreich" hervorgehen, versicherte Chamenei.

Irans geistliches Oberhaupt warf Trump vor, "Schande über die Überreste von Amerikas Ansehen und dem der liberalen Demokratie gebracht" zu haben. Überdies schwinde Amerikas wirtschaftliche und militärische Stärke. Die US-Sanktionen hätten im Iran eine "Bewegung zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit" ausgelöst.

Die USA setzen am Montag weitere massive Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Sie richten sich in erster Linie gegen die Öl- und Bankenbranche. Zu den Maßnahmen gegen iranische Banken gehört laut Washington, dass ihr Ausschluss aus dem internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift erreicht werden soll.

Betroffen von den Sanktionen sind auch Unternehmen aus Drittstaaten, die mit dem Iran Geschäfte machen. Es soll Ausnahmeregelungen für acht Drittländer geben, darunter die Türkei. Firmen aus diesen Ländern dürfen vorerst weiter Rohöl aus dem Iran importieren, allerdings in niedrigerem Umfang als bisher. Für EU-Staaten gelten die Ausnahmeregeln jedoch nicht.

Die Sanktionen waren bereits in früheren Jahren wirksam und wurden 2015 nach dem Abkommen zum iranischen Atomprogramm ausgesetzt. Trump kündigte die aus seiner Sicht völlig unzulängliche Nuklearvereinbarung im Mai einseitig auf und leitete die erneute Inkraftsetzung der früheren Strafmaßnahmen ein. Ein Teil gilt bereits seit August.


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