02.11.2018, 18:57 Uhr

Kairo (AFP) Mindestens sieben Tote bei Angriff auf koptischen Pilger-Bus in Ägypten

Ein koptischer Priester besucht eine verletzte Pilgerin.
. Quelle: AFP/STRINGER (Foto: AFP/STRINGER)Ein koptischer Priester besucht eine verletzte Pilgerin. . Quelle: AFP/STRINGER (Foto: AFP/STRINGER)

IS reklamiert Tat für sich

Bei einem Angriff auf einen Bus mit koptischen Christen in Ägypten sind mindestens sieben Pilger getötet worden. Bewaffnete Männer hätten den Bus auf der Rückkehr vom Kloster des Heiligen Samuel in der Provinz Minja angegriffen, berichtete Minjas Bischof Makarios am Freitag. Unterschiedlichen Angaben zufolge wurden bis zu 14 Pilger verletzt. Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat über ihr Sprachrohr Amaq.

In derselben Region hatten IS-Kämpfer bereits vor eineinhalb Jahren einen Pilgerbus überfallen und 28 Kopten getötet, darunter viele Kinder. Zur Vergeltung bombardierte die ägyptische Luftwaffe damals mutmaßliche Ausbildungslager des IS in Libyen.

Präsident Abdel Fattah al-Sisi verurteilte den Angriff vom Freitag aufs Schärfste. Die Pilger seien Opfer von "Verrätern" geworden, "die dem dicht-verwobenen Gefüge unserer Nation Schaden zufügen" wollten, erklärte er. Er kündigte an, den Kampf gegen den "Terrorismus" mit aller Entschiedenheit fortzusetzen. Den Opfern sprach er sein tiefes Beileid aus.

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten, ihre Anhänger machen etwa zehn Prozent der rund 100 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Die Minderheit wird immer wieder Ziel von Anschlägen durch den IS oder andere radikale Islamisten. Diese werfen ihnen vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben.

29 Kopten wurden im Dezember 2016 bei einem Selbstmordanschlag während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St. Peter und Paul in Kairo getötet. Vier Monate später rissen Selbstmordattentäter insgesamt 45 Gläubige bei Anschlägen in zwei Kirchen in Tanta und Alexandria mit in den Tod.

Nach den Kirchen-Attentaten rief Präsident Al-Sisi den Ausnahmezustand aus, den er bis heute immer wieder verlängerte. Unter den Drohungen des IS flohen zudem hunderte Angehörige der christlichen Minderheit aus dem Norden der Sinai-Halbinsel, einer Hochburg der Dschihadisten.

Unabhängig von den Dschihadisten fühlen sich die Kopten zunehmend von der muslimischen Mehrheit diskriminiert. An Weihnachten 2017 griffen hunderte Muslime eine Kirche in der Nähe von Kairo an, weil deren Bau nicht genehmigt worden war.


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