02.11.2018, 13:33 Uhr

Berlin (AFP) Ökostrom-Anteil auf neuem Rekordstand

Ökostrom-Anteil deutlich gestiegen. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul)Ökostrom-Anteil deutlich gestiegen. Quelle: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul (Foto: dpa/dpa/picture-alliance/Archiv/Patrick Pleul)

Günstige Witterung ermöglicht deutliche Zunahme bei Solar und Windkraft

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Deutschland ist im laufenden Jahr bis September auf den Rekordstand von 38 Prozent gestiegen. Das teilten am Freitag der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) mit. Im Januar, im April und im Mai erreichte der Öko-Strom demnach sogar einen Anteil von 43 Prozent.

Die beiden Organisationen beriefen sich auf eigene Auswertungen zum Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen 2018. Demnach ist der deutliche Anstieg des Anteils der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch vor allem auf ein sehr hohe Anzahl von Sonnenstunden, aber auch auf ein hohes Windangebot zurückzuführen. Insgesamt lag dieser Anteil demnach um drei Prozentpunkte höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Von Januar bis September wurden den Angaben zufolge fast 170 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt, etwa 15 Milliarden Kilowattstunden mehr als ein Jahr zuvor. Damit lagen die Erneuerbaren nahezu gleichauf mit der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle, die 2018 bis September bei rund 172 Milliarden Kilowattstunden lag und gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast sieben Prozent zurückging. Auch Erdgas verzeichnete demnach einen Rückgang von fast acht Prozent.

"Die Erneuerbaren sind ganz klar auf der Überholspur, während der Beitrag der konventionellen Energieträger zur Deckung des Bruttostromverbrauchs kontinuierlich zurückgeht", erklärte dazu BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer. Allerdings sei noch viel zu tun, um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, den Anteil des Öko-Stroms bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen. Insbesondere dürfe jetzt beim weiteren Ausbau "kein Fadenriss entstehen", sei es durch Verzögerungen beim Bau neuer Leitungen oder durch ein zu geringes Flächenangebot für neue Windkraftprojekte, mahnte Kapferer.

Genau dieses Risiko sehen auch andere Verbände aus dem Bereich erneuerbare Energien sowie die Grünen. Sie wenden sich vor allem gegen die Begrenzung der Förderung von Solarstrom auf 52 Gigawatt installierte Leistung. ZSW-Geschäftsführer Frithjof Staiß forderte zudem in der "Stuttgarter Zeitung" vom Freitag endlich "spürbare Fortschritte" außer im Energiesektor auch in den Sektoren Wärme und Verkehr.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) wandte sich besonders gegen Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums, das die Förderung von Photovoltaikanlagen auf Gebäuden bereits zum Jahreswechsel um 20 Prozent kürzen wolle. Dies sei das völlig falsche Signal, erklärte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Das Wirtschaftsministerium wollte sich dazu nicht äußern.

Die Grünen-Energieexpertin Julia Verlinden warf der Bundesregierung vor, die Energiewende weiter auszubremsen. Sie kritisierte neben den Förderkürzungen im Solarbereich auch Blockaden beim Ausbau der Windenergie "an allen Ecken und Enden". Statt den Ökostrom-Ausbau endlich zu beschleunigen, "will die schwarz-rote Koalition weiter bremsen, deckeln und verzögern", hielt sie Union und SPD vor.

Eine Erhöhung des Ausbautempos für Ökostrom forderte auch der Linken-Energie- und Klimaexperte Lorenz Gösta Beutin. Er wertete den deutlich gestiegenen Anteil der Erneuerbaren aber zugleich als Beleg, "dass die klimapolitisch notwendige Energiewende nicht mehr aufzuhalten ist".


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