30.10.2018, 12:00 Uhr

Nürnberg (AFP) Arbeitslosenquote sinkt im Oktober auf niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung

Agentur für Arbeit in Weimar. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene)Agentur für Arbeit in Weimar. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jens Kalaene)

Heil: Deutschland kann "stolz sein" - Linke hält Jubel für unangebracht

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von fünf Prozent gefallen. Im Oktober waren 2,204 Millionen Menschen jobsuchend, das entsprach einer Quote von 4,9 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zeigte sich erfreut, die Linke hingegen hält Jubel für "unangebracht", denn oft stimme die Qualität der Arbeit nicht.

Im Oktober waren 185.000 weniger Menschen arbeitslos als noch vor einem Jahr, wie die BA mitteilte. Im Vergleich zum September war das ein Minus von 53.000. Die Arbeitslosenquote sank leicht um 0,1 Prozentpunkte.

BA-Chef Detlef Scheele verwies auf die sich "fortsetzende Herbstbelebung". Das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setze sich fort und die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen pendele sich auf einem sehr hohen Niveau ein. So waren im Oktober bei der Bundesagentur 824.000 Jobs gemeldet, 44.000 mehr als vor einem Jahr.

Die BA veröffentlichte auch Zahlen zum Ausbildungsmarkt: Demnach war die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen erstmals seit 1994 höher als die der gemeldeten Bewerber. Bundesweit kamen auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen 98 Bewerber. Allerdings nahmen "regionale, berufliche und qualifikatorische Ungleichgewichte" weiter zu, weshalb erneut deutlich mehr Ausbildungsstellen unbesetzt blieben als im vergangenen Jahr. Auch die Zahl der unversorgten Bewerber erhöhte sich leicht.

Bewerber fehlten vor allem für Hotel- und Gaststättenberufe sowie für viele Handwerksberufe und auf dem Bau. Weniger Ausbildungsstellen als Bewerber gab es hingegen etwa im Tischlerhandwerk, in der Informatik und in der Kfz-Technik. Wegen dieser Ungleichgewichte waren Ende September noch 57.700 Ausbildungsstellen unbesetzt. Zugleich waren 24.500 Bewerber unversorgt.

Laut dem Statistischen Bundesamt wurde im September erstmals die 45-Millionen-Marke bei den Erwerbstätigen überschritten, auch das ein Rekord. Im Vergleich zum Vorjahresmonat nahm die Zahl der Erwerbstätigen um 1,3 Prozent oder 557.000 Menschen zu, wie die Statistiker mitteilten.

Heil erklärte, auf eine Arbeitslosigkeit von unter fünf Prozent könne Deutschland "stolz sein". Nun sei es wichtig, "die ausgesprochen gute Lage" zu nutzen und die Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Zugleich müsse das Augenmerk auf dem Fachkräftemangel liegen. Hier müsse "zusammen mit Sozialpartnern, Ländern und Kommunen eine gemeinsame Fachkräftestrategie" entwickelt werden.

Die Linke warnte vor "Jubelmeldungen". Noch immer müssten mehr als eine Million Beschäftigte mit Hartz-IV aufstocken und 2,9 Millionen Menschen hätten einen Zweitjob, beklagte die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann. "Der Mindestlohn ist zu niedrig, um die vielen armutsgefährdeten Beschäftigten aus der Armutsfalle zu holen."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte angesichts des angespannten Ausbildungsmarkts vor einer "Spaltung der Gesellschaft". Die Ausbildungschancen der Jugendlichen hingen "stark von ihrem Wohnort, ihrem Schulabschluss und ihrem Pass ab", erklärte DGB-Vize Elke Hannack. Die Ausbildungslosigkeit gehöre "ganz nach oben auf die Agenda von Bund und Ländern".

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, Steffen Kampeter, forderte, die guten Zahlen müssten ein "Ansporn" sein, die verfestigte Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. "Wir sollten uns ganz gezielt auf Langzeitarbeitslose mit Kindern und besonderen Hemmnissen konzentrieren", erklärte er.


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