30.10.2018, 11:12 Uhr

Wolfsburg (AFP) Volkswagen verdoppelt Gewinn trotz WLTP-Chaos im dritten Quartal

Volkswagen in Wolfsburg. Quelle: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN)Volkswagen in Wolfsburg. Quelle: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Archiv/Odd ANDERSEN)

Chinesische Absätze wachsen trotz Handelskonflikts überdurchschnittlich

Trotz der Probleme mit dem neuen Abgastest WLTP hat Volkswagen seinen Gewinn im dritten Quartal im mehr als verdoppelt. Der Konzern verdiente von Juli bis September 2,8 Milliarden Euro, wie der Autobauer am Dienstag mitteilte. Im Vorjahreszeitraum standen wegen Problemen beim Rückruf von manipulierten Dieselautos in den USA nur 1,1 Milliarden Euro unter dem Strich. Der Umsatz im dritten Quartal stieg leicht auf 55,2 Milliarden Euro.

Im September waren die Fahrzeugauslieferungen des Konzerns in Europa massiv zurückgegangen. Grund dafür war, dass Volkswagen viele seiner Modelle nicht rechtzeitig auf den neuen Abgastest WLTP zulassen konnte, der seit vergangenem Monat für alle Neuwagen in der EU gilt. In den ersten neun Monaten aber legte der weltweite Fahrzeugabsatz von VW deutlich um vier Prozent auf 8,1 Millionen zu.

Während sich der europäische Absatz schlechter entwickelte als der Durchschnitt, wuchs der Absatz im wichtigsten Markt China um fünf Prozent auf über drei Millionen Autos. Zwar belastete laut Konzernangaben der Handelskonflikt zwischen den USA und China das Vertrauen der Verbraucher - die Zukunftsaussichten sind aber wieder rosig, seit die chinesische Führung am Montag eine Steuererleichterung für kleinere Autos andeutete.

Wie die Finanznachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf Insider berichtete, will Peking die Steuer für Autos mit einem Hubraum von weniger als 1,6 Litern von zehn auf fünf Prozent halbieren. Das beflügelte den Volkswagen-Aktienkurs, der seit Wochenbeginn damit um rund neun Prozent zulegte.

Die Kosten des Dieselskandals werden weiterhin die Jahresbilanz belasten. In den ersten neun Monaten beliefen sie sich auf 2,4 Milliarden Euro. Darunter ist ein Bußgeld von einer Milliarde Euro in Niedersachsen im Juni. Dazu kommen 800 Millionen Euro Bußgeld, die Tochter Audi in Bayern wegen der Abgasmanipulationen zahlen muss.

Der Analyst der NordLB, Frank Schwope, schätzt die Risiken aus dem Dieselskandal auf weitere zehn bis 20 Milliarden Euro. Darin kalkuliert Schwope weitere Bußgelder weltweit sowie möglichen Schadenersatz für Volkswagen-Aktionäre im Kapitalanleger-Musterverfahren und für Dieselkäufer in der Musterfeststellungsklage ein.

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin, dass die Auslieferungen im Jahr 2018 den Vorjahreswert moderat übertreffen werden. Die Umsatzerlöse sollten um bis zu fünf Prozent über dem Vorjahreswert liegen.

Volkswagen hatte im September 2015 unter dem Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselautos unterschiedlicher Marken eine illegale Software zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut zu haben. Der Konzern zahlte bereits mehr als 27 Milliarden Euro an Bußgeldern, Entschädigungen und Rechtskosten - den Löwenanteil in den USA.


0 Kommentare