28.10.2018, 13:03 Uhr

Leicester (AFP) Angst und Trauer nach Absturz des Hubschraubers von Leicester-City-Besitzer


Behörden schweigen weiter zu Insassen der Maschine von Vichai Srivaddhanaprabha

Nach dem Absturz des Hubschraubers von Leicester-City-Besitzer Vichai wächst bei dem englischen Fußballclub die Angst, dass der thailändische Milliardär bei dem Unglück ums Leben gekommen sein könnte. Weder der Verein noch die Polizei machten bis Sonntagmittag Angaben zu möglichen Opfern des Absturzes, der sich am Samstagabend nach dem Premier-League-Spiels zwischen Leicester und West Ham United ereignet hatte.

Fans des englischen Überraschungsmeisters von 2016 zeigten sich derweil bestürzt über das Unglück. Die Maschine von Vichai Srivaddhanaprabha war nach dem Start im Stadion auf einen Parkplatz gestürzt und in Flammen aufgegangen. Auf Fotos vom Unglücksort war zu sehen, wie Flammen aus dem Wrack aufstiegen. Die Rettungskräfte wurden nach eigenen Angaben rund 75 Minuten nach dem Abpfiff über den Unfall informiert.

Zeugen sagten dem Sender BBC, der 60-jährige Klubbesitzer und eine Gruppe weiterer Menschen seien nach dem Spiel in den blauen Helikopter eingestiegen, der im Mittelkreis des King-Power-Stadions wartete. Der thailändische Unternehmer lässt sich für gewöhnlich nach Heimspielen seines Vereins vom Spielfeld abholen und nach Hause fliegen.

Die Behörden ließen jedoch offen, wer an Bord des Hubschraubers saß und ob auch Vichai selbst zu den Insassen zählte. Die Polizei erklärte am Sonntag, dass die Behörde zur Untersuchung von Flugunfällen die Ermittlungen leiten werde.

Auch der Verein hielt sich mit öffentlichen Äußerungen zurück. Leicester teilte lediglich mit, die Polizei und die Rettungskräfte nach dem "großen Zwischenfall" zu unterstützen.

Der französische Trainer des Premier-League-Teams, Claude Puel, äußerte sich am Sonntag betroffen über das Unglück. "Das ist eine Tragödie für den Klub. Ich bin furchtbar traurig", sagte er dem französischen Radiosender France Info.

Laut einem Bericht des Fernsehsenders Sky waren kurz nach dem Start des Hubschraubers Probleme mit dem Heckrotor aufgetreten. Der Fotograf Ryan Brown schilderte den Unfall in der BBC: "Die Maschine blieb buchstäblich stehen und ich drehte mich um, und sie gab ein etwas summendes Geräusch von sich. Sie wurde still, die Hubschrauberrotoren begannen sich zu drehen und dann gab es einen großen Knall."

Vichai ist Eigentümer der thailändischen Duty-Free-Kette King Power. Der Milliardär hatte den damaligen Zweitligisten Leicester City 2010 für 40 Millionen Pfund (nach heutigem Wert: 45 Millionen Euro) übernommen und seither viel Geld in den Verein gepumpt. Unter seiner Führung gelang der Aufstieg in die Premier League und der sensationelle Gewinn der Meisterschaft im Jahr 2016.

Anders als die Eigentümer großer englischer Vereine wie Manchester City oder FC Chelsea demonstrierte Vichai immer wieder Nähe zu den Fans seines Klubs. Anlässlich seines Geburtstags im April spendierte der Milliardär den Fans Freibier vor einem Spiel. Die Eintrittspreise für Heimpartien wurden seit vier Jahren nicht erhöht.

Entsprechend groß war die Bestürzung unter den Fans. "Ich kann deshalb nicht mehr schlafen, weil es für mich sehr wichtig ist, er hat viel für den Klub getan", sagte Leicester-Fan Anti Patel der Nachrichtenagentur AFP. Anhänger legten am Sonntag Blumen vor dem King-Power-Stadion nieder.

Englands Fußball-Legende Gary Lineker, der einst selbst für Leicester spielte, bezeichnete das Unglück im Kurzbotschaftendienst Twitter als "Tragödie" und "herzzerreißend".


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