28.10.2018, 14:19 Uhr

Pittsburgh (AFP) Angriff auf Synagoge mit elf Toten erschüttert die USA

Absperrband rund um die Synagoge in Pittsburgh. Quelle: AFP/Brendan Smialowski (Foto: AFP/Brendan Smialowski)Absperrband rund um die Synagoge in Pittsburgh. Quelle: AFP/Brendan Smialowski (Foto: AFP/Brendan Smialowski)

Schütze gab während der Tat antisemitische Parolen von sich

Wenige Tage nach einer Briefbombenserie gegen Trump-Kritiker hat ein Angriff auf eine Synagoge mit vielen Toten die USA erschüttert. Bei der antisemitischen Gewalttat in der Lebensbaum-Synagoge von Pittsburgh wurden am Samstag elf Menschen getötet. Der Schütze gab während der Tat antisemitische Parolen von sich. Der Angriff sorgte auch international für Bestürzung.

Der Angreifer drang am Sabbat-Tag mit einem Sturmgewehr und mindestens drei Pistolen bewaffnet in die Synagoge ein. Während einer Zeremonie zur Namensgebung für ein Baby eröffnete er das Feuer und tötete elf Menschen. Sechs weitere Menschen wurden verletzt, darunter vier Polizisten. Die Opfer waren nach Behördenangaben zwischen 54 und 97 Jahre alt.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um den 46-jährigen Robert Bowers aus Pittsburgh. Bowers habe in dem jüdischen Gotteshaus in Pittsburgh "Äußerungen zu einem Genozid" getätigt, sagte Scott Brady, Staatsanwalt für den Westen des Bundesstaats Pennsylvania, am Sonntag. Sein Plan sei es gewesen, "Juden zu töten".

Das US-Justizministerium teilte mit, der Mann solle wegen mehrfachen Mordes und wegen antisemitisch motivierter Verbrechen angeklagt werden. Es strebe die Todesstrafe für den Täter an.

Bowers soll der Verfasser einer Serie von antisemitischen Botschaften sein, die im bei weißen Nationalisten und Mitgliedern der rassistischen Alt-Right-Bewegung beliebten Onlinenetzwerk Gab.com veröffentlicht wurden - eine davon nur wenige Stunden vor dem Angriff auf die Synagoge.

In diesem Eintrag wird die jüdische Flüchtlingshilfeorganisation Hias angegriffen: "Hias holt gerne Eindringlinge, die unsere Leute töten. Ich kann nicht sitzen bleiben und zusehen, wie meine Leute abgeschlachtet werden. Scheiß auf Eure Sichtweise, ich gehe rein."

Wie die "New York Times" berichtete, schrieb Bowers in einem anderen Beitrag, er mache sich nichts aus Trump, weil dieser "ein Globalist ist, kein Nationalist". Die USA könnten nicht wieder großartig gemacht werden, so lange es eine jüdische "Verseuchung" gebe, schrieb er demnach mit Hinweis auf Trumps Slogan "Make America Great Again".

Der Angriff in der Lebensbaum-Synagoge von Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania sei "wahrscheinlich" der tödlichste antisemitische Anschlag der US-Geschichte, erklärte die auf Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus spezialisierten US-Organisation Anti-Defamation League (ADL).

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Angriff. Es dürfe "keine Toleranz für den Antisemitismus" oder andere Formen des Hasses auf Religionen geben, sagte der US-Präsident. "Diese bösartige antisemitische Attacke ist ein Angriff auf uns alle."

Pittsburghs Bürgermeister Bill Peduto forderte striktere Kontrollen beim Waffenbesitz. Es müsse darüber nachgedacht werden, wie denjenigen Waffen weggenommen werden könnten, "die ihren Hass durch Mord ausdrücken wollen", sagte er. Bowers besaß laut CNN seit Jahren einen Waffenschein.

Der Angriff auf die Synagoge wurde auch international scharf verurteilt. "Ich trauere um die Toten von Pittsburgh, die offenbar Opfer von blindem antisemitischem Hass wurden", ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Twitter erklären. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu äußerte sich erschüttert über die "schreckliche antisemitische Brutalität" und bekundete die Solidarität seines Landes mit der jüdischen Gemeinde von Pittsburgh.

Trump beklagte während eines Besuchs im Bundesstaat Indiana den "Hass" in den USA. "Es ist eine schreckliche, schreckliche Sache, was den Hass in unserem Land betrifft", sagte er.

Es handelte sich bereits um den zweiten politisch motivierten Gewaltakt, der die USA in der Schlussphase des Wahlkampfs für die Kongresswahlen am übernächsten Dienstag erschüttert. In der vergangenen Woche waren 13 Briefbomben abgefangen worden, die an prominente Trump-Kritiker gerichtet waren. Der mutmaßliche Urheber der Sprengsätze wurde am Freitag gefasst. Er ist ein glühender Trump-Anhänger.


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