27.10.2018, 14:38 Uhr

Berlin (AFP) Umweltaktivisten dringen auf Braunkohletagebau Hambach vor und besetzen Bagger

Umweltaktivisten marschieren zum Tagebau Hambach. Quelle: dpa/AFP/David Young (Foto: dpa/AFP/David Young)Umweltaktivisten marschieren zum Tagebau Hambach. Quelle: dpa/AFP/David Young (Foto: dpa/AFP/David Young)

Tausende Kohlegegner starten Protestaktionen - Polizei setzt Wasserwerfer ein

Umweltaktivisten sind am Samstag auf das Gelände des rheinischen Braunkohletagebau Hambach vorgedrungen und haben zwischenzeitlich einen Bagger besetzt. Etwa 40 Kohlegegner seien auf das Gelände des Energiekonzerns RWE gelangt, 18 von ihnen hätten den Bagger erklommen, seien aber wieder heruntergezwungen worden, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Insgesamt beteiligten sich laut dem Aktionsbündnis "Ende Gelände" rund 6500 Aktivisten an den Protesten.

Der Bagger befindet sich in der Nähe der Ortschaft Morschenich. Wie die Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur AFP sagte, droht den Aktivisten Strafverfolgung mindestens wegen Hausfriedensbruchs. Sie begründete das Vorgehen der Sicherheitsbeamten zum einen mit den Gefahren auf dem Gelände, vor denen die Demonstranten geschützt werden sollten. Zum anderen hätten sie mit dem unerlaubten Betreten des Geländes des Energiekonzerns RWE Hausfriedensbruch begangen.

Nach Polizeiangaben überquerten mehrere Demonstranten zudem die Autobahn A4, um die Gleise der Hambachbahn zu besetzen. Dabei hätten sie die Polizeiketten durchbrochen. Die Beamten hätten daher einen Wasserwerfer eingesetzt.

Etwa 250 Menschen versuchten laut Polizei zudem, in den Tagebau Inden einzudringen, der ebenfalls bei Düren liegt. Den Einsatzkräften sei es aber gelungen, dies zu verhindern. Die Aktivisten würden in Gewahrsam genommen, teilte die Polizei Aachen im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Dort warnte sie auch eindringlich vor den Gefahren auf dem Gelände: "Aktuell kommt es zu Erdrutschen an der Tagebaukante in Hambach". Es bestehe "akute Lebensgefahr".

Laut "Ende Gelände" blockierten mehrere tausend Menschen am Mittag die Schienen der Hambachbahn, die die RWE-Kraftwerke in Niederaußem, Frimmersdorf und Neurath mit Braunkohle aus Hambach versorgt. Das Bündnis sprach von der "größten Massenaktion zivilen Ungehorsams der Klimagerechtigkeitsbewegung, die wir hier je gesehen haben".

Am Morgen waren rund 5000 Braunkohlegegner von einem Protest-Camp in Düren-Stepprath aus losgezogen, wie das Aktionsbündnis "Ende Gelände" mitteilte. Weitere etwa eintausend Aktivisten starteten demnach von einem Protestlager am Hambacher Wald in Manheim, weitere Gruppen hätten sich der Bewegung angeschlossen.

Mit seinen bis Montag geplanten Protestaktionen will das Bündnis zum wiederholten Mal im rheinischen Tagebaugebiet Front gegen die Kohleverstromung machen. Es fordert einen "sofortigen Kohleausstieg" und will ein "Zeichen für Klimagerechtigkeit" setzen. "RWE und die Regierung klammern sich an eine zerstörerische Technologie von gestern", erklärte eine Sprecherin von "Ende Gelände".

Zeitgleich fand eine Solidaritätsdemo "Ende Gelände für die Kohle" in Buir statt. Mehrere tausend Menschen folgten dem Aufruf von Umweltverbänden, wie die Naturfreunde Deutschlands erklärten.

19 Umweltverbände und entwicklungspolitische Organisationen unterzeichneten zudem eine Solidaritätserklärung mit "Ende Gelände", in der es unter anderem hieß: "Ziviler Ungehorsam gegen existenzielle Gefahren und Missstände hat eine lange und bedeutende demokratische Tradition."

Am Freitag hatte das Aachener Verwaltungsgericht einen Eilantrag gegen zuvor eingerichtete polizeiliche Kontrollstellen am Bahnhof im rheinischen Düren zurückgewiesen. Dort waren Stunden zuvor mehr als tausend Teilnehmer eines Anti-Kohle-Protestcamps mit einem Sonderzug angekommen. Nach dem Passieren der Kontrollstelle konnten die Aktivisten schließlich weiterziehen.

Bei früheren Protestaktionen von "Ende Gelände"-Aktivisten im Braunkohlerevier zwischen Aachen und Köln hatte es Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben. Die Aachener Polizei kündigte an, sie werde friedliche Proteste schützen und Straftaten "konsequent verfolgen".


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