27.10.2018, 05:03 Uhr

New York (AFP) Trump-Anhänger soll hinter Briefbomben-Serie in den USA stecken

Der Verdächtige Cesar Sayoc. Quelle: BROWARD COUNTY SHERIIF'S OFFICE/AFP/HO (Foto: BROWARD COUNTY SHERIIF'S OFFICE/AFP/HO)Der Verdächtige Cesar Sayoc. Quelle: BROWARD COUNTY SHERIIF'S OFFICE/AFP/HO (Foto: BROWARD COUNTY SHERIIF'S OFFICE/AFP/HO)

56-Jähriger festgenommen - Trump verurteilt "Terrorakte"

Nach tagelanger Großfahndung ist in den USA ein mutmaßlicher Briefbomber festgenommen worden: Der Verdächtige, der mehrere Sprengsätze an prominente Kritiker von US-Präsident Donald Trump verschickt haben soll, wurde am Freitag im Bundesstaat Florida gefasst. Der Mann mit dem Namen Cesar Altieri Sayoc ist offenbar ein Trump-Anhänger. Der Präsident verurteilte die "Terrorakte". Den Vorwurf, er könnte den Täter durch seine aggressive Rhetorik motiviert habe, wies er zurück.

Sayoc wurde offiziell mehrerer Verbrechen beschuldigt, darunter die "illegale Versendung von Sprengstoffen" und "Drohungen gegen frühere Präsidenten". Laut Justizministerium drohen ihm bis zu 48 Jahre Haft. Ihm wird vorgeworfen, 13 Sprengsätze an Kritiker des US-Präsidenten geschickt zu haben. Zu den Adressaten gehörten Trumps Vorgänger Barack Obama, Ex-Vizepräsident Joe Biden, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, der Multimilliardär George Soros und Hollywoodstar Robert De Niro.

Zu den Motiven des mutmaßlichen Attentäters wollten sich die Ermittler zunächst nicht äußern. Dafür sei es noch "zu früh", sagte der Direktor der Bundespolizei FBI, Christopher Wray, in Washington. Es gebe noch viele offene Fragen.

Trump verurteilte den Versand der Briefbomben als "Terrorakte". Der Täter müsse "mit der ganzen Härte des Gesetzes" bestraft werden, sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat North Carolina. "Politische Gewalt darf in Amerika niemals geduldet werden und ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um sie zu stoppen."

Zugleich wies er den Vorwurf zurück, wonach er den Täter durch seine oftmals aggressive Rhetorik gegenüber den oppositionellen Demokraten womöglich angestachelt habe. Ihn treffe keine Schuld, auch wenn der Mann offenbar ein Unterstützter seiner Politik sei, sagte der US-Präsident.

Sayoc wurde auf einem Parkplatz in Plantation, einem Vorort von Fort Lauderdale, festgenommen. Der Lieferwagen, mit dem er unterwegs war, wurde beschlagnahmt. Auf Fotos in den Onlinenetzwerken, die das von der Polizei beschlagnahmte Fahrzeug zeigen sollen, sind mehrere Pro-Trump-Aufkleber zu sehen.

Auf einer der Scheiben kleben außerdem Fotos von Ex-Präsident Obama und der früheren Außenministerin Clinton. Auf ihre Gesichter sind Zielscheiben gedruckt. Auch ein Aufkleber mit dem Spruch "CNN ist zum Kotzen" prangt auf dem Lieferwagen. Obama, Clinton und der Trump-kritische Fernsehsender gehörten zu den Briefbomben-Adressaten.

Sayoc war schon in früheren Jahren mit dem Gesetz in Konflikt geraten, laut Gerichtsdokumenten wegen schweren Diebstahls und einer Bombendrohung. Die Ermittler kamen ihm nun durch einen Fingerabdruck auf die Spur, den sie auf einem der großen Briefumschläge mit den Rohrbomben gefunden hatten.

Der Anwalt von Sayocs Familie erklärte, seine Mutter habe den 56-Jährigen jahrelang vergeblich dazu gedrängt, einen "Spezialisten" aufzusuchen. Sayoc habe eigentlich nicht für Politik interessiert, sagte der Verteidiger Ron Lowy dem Sender CNN. Offenbar fühlten sich "solche Außenseiter" wie sein Mandant aber angesprochen von Trumps Politikstil.

FBI-Direktor Wray sagte, es seien mindestens 13 Briefe mit Sprengsätzen verschickt worden. Er warnte, dass noch weitere Bomben unterwegs sein könnten. Alle Vorrichtungen hätten aus einer PVC-Röhre, einer kleinen Uhr, einer Batterie, Drähten und einem "energetischen Material" bestanden, das potenziell explodieren könne. Es sei aber noch nicht klar, ob die Sprengsätze tatsächlich funktionsfähig gewesen seien, erläuterte Wray.

Durch die Sendungen war niemand verletzt worden. Noch am Freitag waren drei weitere der Briefbomben abgefangen worden. Zwei davon waren an afroamerikanische Senatoren der oppositionellen Demokraten, Cory Booker und Kamala Harris, gerichtet. Beide gelten als mögliche Präsidentschaftsbewerber. Der dritte dieser Sprengsätze war für den früheren Nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper bestimmt.

Die Sendung trug die Adresse des New Yorker Sitzes des Fernsehsenders CNN, wo Clapper regelmäßig als Experte auftritt. Auch eine der zuvor aufgetauchten Briefbomben war an CNN in New York adressiert. In diesem Fall war sie für den CNN-Experten und früheren Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, bestimmt.

Sollte sich nun der Verdacht bestätigen, dass der Tatverdächtige ein Trump-Anhänger ist, könnte dies die politische Stimmung rund anderthalb Wochen vor den Kongresswahlen weiter anheizen.


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