26.10.2018, 17:20 Uhr

Washington (AFP) Erste Festnahme bei US-Fahndung nach Absender mutmaßlicher Bomben

Das FBI transportiert den Lieferwagen ab, der womöglich vom Absender der mutmaßlichen Briefbomben gefahren wurde. Quelle: AFP/Eric BARADAT, Michele Eve Sandberg (Foto: AFP/Eric BARADAT, Michele Eve Sandberg)Das FBI transportiert den Lieferwagen ab, der womöglich vom Absender der mutmaßlichen Briefbomben gefahren wurde. Quelle: AFP/Eric BARADAT, Michele Eve Sandberg (Foto: AFP/Eric BARADAT, Michele Eve Sandberg)

Medien: Verdächtiger ist ein 56-jähriger aus Florida

Die Fahndungen nach dem Absender der mutmaßlichen Briefbomben in den USA haben zu einer ersten Festnahme geführt. Das teilte am Freitag das Justizministerium in Washington mit, ohne zunächst nähere Angaben zu machen. Nach Informationen von US-Sendern handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 56-jährigen Mann aus dem Bundesstaat Florida.

US-Präsident Donald Trump gratulierte der Bundespolizei FBI und den anderen beteiligten Ermittlungsbehörden bereits zu der Festnahme. Sie hätten einen "unglaublichen Job" geleistet, sagte Trump in Washington. Er verurteilte die Versendung der mutmaßlichen Sprengsätze als "abscheuliche Tat".

Die insgesamt zwölf bis Freitag aufgetauchten verdächtigen Briefe waren allesamt an prominente Trump-Kritiker gerichtet. Zu den Adressaten gehörten der frühere Präsident Barack Obama, Ex-Vizepräsident Joe Biden, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, der Multimilliardär George Soros und Hollywoodstar Robert de Niro.

Zu der jetzt erfolgten Festnahme wollte das Justizministerium zunächst keine Fragen zu der Festnahme beantworten. Eine Sprecherin kündigte eine Pressekonferenz für 20.30 Uhr MESZ an.

Laut übereinstimmenden US-Medienberichten wurde der Verdächtige auf dem Parkplatz eines Geschäfts für Autoersatzteile in der Stadt Plantation nordwestlich von Miami festgenommen. Der Mann habe eine kriminelle Vorgeschichte, meldete der Fernsehsender CNN unter Berufung auf Ermittlerkreise. Er habe eine Adresse in Florida, aber auch Verbindungen nach New York.

Der Verdächtig war offenbar mit einem Lieferwagen unterwegs. Das Fahrzeug wurde von Polizeikräften mit einer blauen Plane zugedeckt und von einem Laster abtransportiert, wie ein AFP-Fotograf beobachtet. Laut in den Onlinenetzwerken kursierenden Fotos, die von dem Lieferwagen stammen sollen, prangten darauf zahlreiche Aufkleber, die für Trump werben und dessen Gegner anprangern.

Sollte sich bestätigen, dass der Tatverdächtige ein leidenschaftlicher Trump-Anhänger ist, könnte dies die politische Stimmung im Land rund anderthalb Wochen vor den Kongresswahlen weiter anheizen.

Trump rief wie schon in den Vortagen seine Landsleute zur Geschlossenheit auf: "Wir müssen der Welt zeigen, dass wir in Frieden, Liebe und Harmonie als amerikanische Bürger vereint sind", sagte er in einer kurzen Ansprache.

Allerdings hatte Trump zuvor als Reaktion auf die mutmaßlichen Briefbomben auch erneut heftig die so genannten Mainstream-Medien attackiert und ihnen die Hauptschuld für die extreme politische Polarisierung des Landes zugewiesen.

Der Präsident sieht sich selbst mit Vorwürfen konfrontiert, dass er mit seiner aggressiven Rhetorik gegen Kritiker zur Vergiftung des politischen Klimas im Land beitrage - und somit eine indirekte Mitverantwortung für politisch motivierte Gewalttaten trage.

Kurz vor Bekanntgabe der Festnahme hatte er beklagt, dass der Bombenalarm seiner Republikanischen Partei in der Schlussphase des Wahlkampfs am übernächsten Dienstag schade. "Dieses Bombenzeugs" habe zur Folge, dass sich die Dynamik zugunsten seiner Partei "stark verlangsamt" habe, weil es in den Nachrichten nicht mehr um "Politik" gehe, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Zuletzt waren am Freitag zwei weitere der potenziell gefährlichen Sendungen abgefangen worden. Sie waren an den früheren Nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper sowie den Senator Cory Booker von den oppositionellen Demokraten gerichtet.

Die Sendung an Clapper trug die Adresse des New Yorker Sitzes von CNN, wie der Fernsehsender berichtete. Clapper tritt bei dem Trump-kritischen Medium als Experte auf. Auch eine der am Mittwoch aufgetauchten mutmaßlichen Briefbomben war an CNN in New York adressiert. In diesem Fall war sie für den CNN-Experten und früheren Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, bestimmt.

Niemand wurde durch die mutmaßlichen Sprengsätze verletzt. Weiterhin war unklar, ob die in großen und gepolsterten Briefumschlägen und relativ simplen Apparaturen überhaupt funktionsfähig waren.


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