26.10.2018, 12:38 Uhr

Berlin (AFP) Untersuchung: Arbeitnehmer machten 2017 rund vier Überstunden pro Woche

Lkw-Fahrer besonders von Überstunden betroffen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Andreas Arnold (Foto: dpa/AFP/Archiv/Andreas Arnold)Lkw-Fahrer besonders von Überstunden betroffen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Andreas Arnold (Foto: dpa/AFP/Archiv/Andreas Arnold)

BAuA-Experten verweisen auf besondere Belastung von Lkw-Fahrern und Zustellern

Arbeitnehmer in Deutschland haben im vergangenen Jahr im Schnitt rund vier Überstunden pro Woche angehäuft. Die tatsächliche Arbeitszeit habe 3,9 Stunden über der vertraglich vereinbarten Wochenzeit gelegen, teilte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) am Freitag auf der Grundlage einer Befragung mit. Demnach arbeiteten 16 Prozent der Beschäftigten durchschnittlich 48 Wochenstunden und mehr. Grüne und Linke warnten vor den damit einhergehenden Problemen wie Stress und Leistungsdruck.

Die Befragung durch die BAuA wurde über mehrere Wochen unter rund 10.000 Beschäftigten geführt und betrifft die Lage im Jahr 2017. Für das Jahr 2015 gab es eine erste Befragung unter etwa 20.000 Menschen, von denen einige erneut befragt wurden. Insgesamt veränderte sich die Zahl der Überstunden im Vergleich zur ersten Befragung 2015 demnach kaum.

Zwischen den Branchen gibt es aber erhebliche Unterschiede: Die meiste Mehrarbeit wird in der Industrie von Vollzeitbeschäftigten geleistet, dabei mit über sieben Stunden am häufigsten von Lkw- und Lieferwagenfahrern, wie die BAuA erklärte. Sicherheits- und Überwachungsberufe kamen auf im Schnitt sechs Überstunden, Vorgesetzte auf rund 4,9 Stunden.

33 Prozent der befragten Arbeitnehmer gaben an, sie hätten das Gefühl, "dass die Arbeit im vorgesehenen Zeitraum nicht zu schaffen" sei - das war derselbe Wert wie 2015. Ein weiterer Grund für zusätzliche Arbeit sind der Befragung zufolge "sonstige betriebliche Gründe" (32 Prozent), nur 15 Prozent gaben als Grund "Spaß an der Arbeit" an.

Von den Befragten gab auch mehr als ein Fünftel (22 Prozent) an, im Rahmen "versetzter Arbeitszeiten" oder in verschiedenen Schichtsystemen zu arbeiten, 78 Prozent arbeiteten in der Regel zwischen sieben und 19 Uhr. 43 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Monat auch am Wochenende zu arbeiten. Die BAuA verwies vor diesem Hintergrund auf Einschränkungen bei der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und auf gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Die Experten der BAuA wiesen zudem auf die Belastungen für Paketzusteller durch den Boom des Onlinehandels hin. "Da die Gruppe im Straßenverkehr mobil beschäftigt ist, können Fehler besonders weitreichende und teilweise tödliche Auswirkungen haben", heißt es in dem Bericht. Positiv vermerkten die Autoren, dass es immer mehr Möglichkeiten gebe, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Die BAuA mit Sitz in Dortmund ist beim Bundesarbeitsministerium angesiedelt.

Die Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemmeke erklärte, Arbeit müsse "ohne Hetze und Stress machbar sein", hier seien die Arbeitgeber gefordert. Ungeplante Überstunden, die anfielen, weil die Zeit für die Arbeitsmenge nicht ausreiche, könnten krank machen, warnte sie. Ähnlich äußerte sich die Linken-Politikerin Jessica Tatti. Unternehmen müssten dafür Sorge tragen, "dass Arbeitsmenge und Arbeitszeit zusammenpassen", forderte sie. Nötig sei eine Reduzierung der gesetzlichen Wochenhöchstarbeitszeit auf 40 Stunden.


0 Kommentare