25.10.2018, 10:40 Uhr

Berlin (AFP) Scharfe Kritik der Linken an Nato-Großmanöver in Norwegen

Niederländische Soldaten auf dem Weg zum Manöver nach Norwegen. Quelle: ANP/AFP/Remko de Waal (Foto: ANP/AFP/Remko de Waal)Niederländische Soldaten auf dem Weg zum Manöver nach Norwegen. Quelle: ANP/AFP/Remko de Waal (Foto: ANP/AFP/Remko de Waal)

Übung "Trident Juncture 18" mit 8000 Bundeswehrsoldaten gestartet

Das am Donnerstag angelaufene Nato-Großmanöver ist bei deutschen Oppositionspolitikern auf scharfe Kritik gestoßen. "Es ist aberwitzig, gefährlich und provokant gegenüber Russland, im gegenwärtigen Klima das größte Nato-Manöver seit 30 Jahren in Norwegen zu starten", sagte der Linken-Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

"Die Kriegsgefahr ist so hoch wie lange nicht. Der US-Präsident droht mit nuklearer Aufrüstung gegenüber Russland und China und kündigt Verträge zur nuklearen Abrüstung auf", sagte Bartsch. Die Nato bezeichnete er als "ein Relikt aus dem Kalten Krieg". Die Allianz sei "den derzeitigen Entwicklungen offensichtlich nicht gewachsen".

Linksfraktionsvize Heike Hänsel erklärte, das größte Nato-Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges sei eine "kostspielige und gefährliche Provokation, durch die der US-dominierte Nordatlantikpakt die Beziehungen zu Russland noch mehr belastet".

"Dieses Säbelrasseln ist mehr als anachronistisch", erklärte Hänsel. "Gerade nach der Androhung von Präsident Trump, den INF-Vertrag aufzukündigen, sollte Deutschland als Vermittler auftreten, um ein neues atomares Wettrüsten auf europäischem Boden zu verhindern." Die massive deutsche Beteiligung sei "eine weitere Provokation des Verteidigungsministeriums und völlig kontraproduktiv".

Die Militärübung "Trident Juncture 18" findet vom 25. Oktober bis zum 7. November in Norwegen statt. Simuliert wird der Angriff auf einen Verbündeten und die Aktivierung der Beistandsklausel nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Bei dem Manöver soll die Fähigkeit der Nato trainiert werden, schnell Truppen aus anderen Teilen Europas und aus Nordamerika zusammenzuziehen.

Die Bundeswehr schickt rund 8000 Soldaten und 2000 Militärfahrzeuge nach Norwegen. Auch mit Tornado- und Eurofighter-Jets sowie drei Schiffen ist Deutschland im Einsatz. Die Kosten der Übung für Deutschland belaufen sich auf 90 Millionen Euro.

Offiziell richtet sich das Manöver gegen keinen bestimmten Angreifer. Angesichts der seit Jahren wachsenden Spannungen mit Russland handelt es sich aber wohl auch um eine Machtdemonstration. Erst am Wochenende hatte Trump angekündigt, aus dem 1987 geschlossenen INF-Abkommen zur Abschaffung von landgestützten, atomar bestückbaren Mittelstreckenraketen auszusteigen.


0 Kommentare