23.10.2018, 17:10 Uhr

Riad (AFP) Investorenkonferenz in Riad beginnt trotz internationalen Boykotts


Organisatoren verkünden "Mega-Deals" von mehr als 50 Milliarden Dollar

Trotz des Boykotts etlicher westlicher Unternehmenschefs und Minister wegen das Falls Khashoggi hat am Dienstag in Saudi-Arabien eine große Investorenkonferenz begonnen. Der einflussreiche Energieminister Chaled al-Faleh sagte zum Auftakt des Wirtschaftstreffens in der Hauptstadt Riad, das Land durchlebe gerade "schwierige Tage" und eine "Krise". Die Konferenz Future Investment Initiative (FII) wird auch "Davos in der Wüste" genannt und soll vor allem Investoren anlocken.

Minister al-Faleh bezeichnete Khashoggis gewaltsamen Tod als "abscheulich". Er könne von niemandem im Königreich gerechtfertigt werden.

Der Energieminister sprach vor einer deutlich reduzierten Teilnehmerzahl. In den vergangenen Wochen hatte eine Reihe von Wirtschaftsvertretern abgesagt, darunter IWF-Chefin Christine Lagarde, Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und mehrere Medien. Auch rund 20 Chefs von Firmen wie JP Morgan, Ford, Uber, der Deutschen Bank und zuletzt Siemens annullierten ihre Teilnahme.

Dennoch erschien Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman für 15 Minuten bei der Konferenz. Er zeigte sich trotz des internationalen Drucks entspannt, lachte und machte Selfies mit einigen Delegierten.

Saudi-Arabien ist der weltgrößte Erdölexporteur. Das Königreich will seine Wirtschaft auf neue Bereiche ausweiten. Zum zweiten Mal findet nun die Investorenkonferenz statt. Mohammed wollte bei dem Treffen ursprünglich ein ehrgeiziges wirtschaftliches Reformprogramm präsentieren und um Investitionen werben.

Präsent waren viele chinesische und russische Firmen sowie auch der französische Mineralölkonzern Total. Energieminister Faleh lobte Total-Chef Patrick Pouyanné für sein Erscheinen. Dieser sagte in seiner Rede in Riad, es sei gerade "in schwierigen Zeiten" wichtig, Kontakt zu halten und die "Partnerschaft zu stärken".

Bereits am ersten Tag des Treffens verkündeten die saudiarabischen Organisatoren zwölf "Mega-Deals" im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar (44 Milliarden Euro) unter anderem in den Bereichen Öl, Gas und Infrastruktur.

Überdies sagte Riad dem von einer Schuldenkrise geplagten Pakistan eine Unterstützungszahlung von drei Milliarden Dollar zu, wie die Regierung in Islamabad erklärte. Zudem wolle Saudi-Arabien pakistanische Zahlungen für Öllieferungen in Höhe von drei Milliarden Dollar stunden.

Die Konferenz fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen im Hotel Ritz-Carlton statt. Geplant war unter anderem auch eine Rede von Kirill Dmitrijew, dem Leiter des russischen Fonds für Direktinvestitionen.

Saudi-Arabien hatte am Samstag unter internationalem Druck eingeräumt, dass der Journalist und Regierungskritiker Khashoggi im Istanbuler Konsulat seines Landes bei einer "Schlägerei" getötet worden sei. Weltweit stößt diese Darstellung aber auf Skepsis, nachdem Riad wochenlang versichert hatte, dass Khashoggi das Konsulat lebend verlassen habe.


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