22.10.2018, 15:24 Uhr

Istanbul (AFP) Ankara spricht von geplantem "Mord" an Journalistem Khashoggi

Türkische Presse sieht Verbindung zu bin Salman. Quelle: AFP/Archiv/OZAN KOSE (Foto: AFP/Archiv/OZAN KOSE)Türkische Presse sieht Verbindung zu bin Salman. Quelle: AFP/Archiv/OZAN KOSE (Foto: AFP/Archiv/OZAN KOSE)

Türkische Presse sieht direkte Verbindung zu Saudi-Arabiens Kronprinz

Im Fall des getöteten saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi hat Ankara den Ton verschärft: Der Sprecher der türkischen Regierungspartei AKP sprach am Montag von einem "komplizierten Mord", der auf "blutrünstige Weise geplant" worden sei. AKP-Sprecher Ömer Celik kritisierte zudem "beachtliche Bemühungen, dies zu vertuschen". Die türkische Presse zog derweil eine direkte Verbindung in dem Fall zu Saudi-Arabiens Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Celik äußerte bei einer Pressekonferenz die Hoffnung, dass das Verbrechen komplett aufgeklärt werde und alle Verantwortlichen bestraft würden. Ankara hat bisher unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen Schuldzuweisungen vermieden, doch veröffentlichen türkische Medien laufend neue Details zu den Polizeiermittlungen. Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, er wolle am Dienstagmorgen "die nackte Wahrheit" zu dem Fall enthüllen.

Saudi-Arabien hatte am Samstag erklärt, dass Khashoggi am 2. Oktober im Istanbuler Konsulat seines Landes bei einer "Schlägerei" getötet worden sei. Weltweit stößt diese Darstellung jedoch auf Skepsis, da Riad wochenlang versichert hatte, der Journalist habe das Konsulat wieder lebend verlassen. Medien berichteten unter Berufung auf eine Audioaufnahme, dass Khashoggi gefoltert, ermordet und zerstückelt worden sei.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen 15 Saudi-Araber, die nach Istanbul geschickt worden sein sollen, um Khashoggi zu töten. Die Zeitung "Yeni Safak" berichtete nun, der Chef des Kommandos, Maher Abdulasis Mutreb, habe von Istanbul aus vier Mal mit dem Büroleiter des saudiarabischen Kronprinzen, Bader al-Asaker, telefoniert. Mutreb soll den Kronprinzen als Leibwächter wiederholt auf Auslandsreisen begleitet haben.

Der einflussreiche Kolumnist Abdulkadir Selvi schrieb in "Hürriyet", "solange der Kronprinz nicht zur Verantwortung gezogen und von seinem Posten abgelöst wird, dürfen wir dieses Dossier nicht schließen". Laut Selvi wurden die Leichenteile aus dem Konsulat geschafft und versteckt.

Nach einer Durchsuchung des Konsulats und der Residenz des Konsuls weitete die türkische Polizei inzwischen die Suche auf einen Wald im Norden Istanbuls aus. Am Montag fanden die Ermittler ein Auto des Konsulats in einer Tiefgarage am nördlichen Stadtrand. Der schwarze Mercedes, den seine grünen Nummernschilder als Fahrzeug des Konsulats auswiesen, war in einem Wohnviertel im Bezirk Sultangazi abgestellt, der an mehrere Waldgebiete grenzt.

Die Ermittler erbaten von der Staatsanwaltschaft und dem Konsulat Saudi-Arabiens die Genehmigung zur Durchsuchung des Wagens. Laut dem Fernsehsender TRT wurde das Auto in der Tiefgarage in den Tagen nach der Tötung Khashoggis abgestellt. Demnach zeichneten Überwachungskameras in dieser Zeit zudem auf, wie ein zweiter Wagen des Konsulats einige Minuten in die Garage fuhr, bevor er sie wieder verließ.

Der US-Fernsehsender CNN zeigte Bilder von Überwachungskameras, die nach Angaben eines türkischen Regierungsvertreters einen der saudiarabischen Agenten in der Kleidung Khashoggis mit einem falschen Bart zeigen sollen, wie er das Konsulat durch die Hintertür verlässt. Demnach wollten die Agenten angeblich vortäuschen, dass Khashoggi wie anfangs behauptet das Konsulat wieder lebend verließ.


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