21.10.2018, 09:35 Uhr

Ciudad Hidalgo (AFP) Mexiko lässt dutzende Frauen und Kinder aus Honduras ins Land


Tausende wollen vor Gewalt und Armut in die USA flüchten

Mexiko hat am Samstag dutzende Frauen und Kinder aus Honduras über seine Grenze zu Guatemala ins Land gelassen. Der mexikanische Botschafter in Guatemala, Luis Manuel López, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Flüchtlinge würden nach ihrer Registrierung durch die Einwanderungsbehörde in eine Aufnahmeeinrichtung der Stadt Tapachula gebracht. In der 40 Kilometer entfernten Grenzstadt Ciudad Hidalgo, ebenfalls im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, feierten unterdessen hunderte honduranische Flüchtlinge ihre Ankunft in Mexiko. Tausende weitere Flüchtlinge saßen dagegen weiterhin an der Grenze fest.

Tausende Honduraner, unter ihnen viele Frauen und Kinder, sind derzeit zu Fuß auf der Flucht vor Armut und Gewalt. Ihr Ziel sind die USA. Am Freitag hatten bereits tausende der Migranten die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko durchbrochen. Sie überwanden mehrere Absperrungen im guatemaltekischen Grenzort Tecún Umán und gelangten auf eine Brücke über den Grenzfluss Río Suchiate nach Ciudad Hidalgo.

Im dortigen Park feierten die Honduraner am Samstagabend ein ausgelassenes Fest, einige tanzten und sangen. Immer wieder war der Ruf zu hören: "Ja, wir haben es geschafft". Eine junge Frau aus der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa sagte: "Wir sind in Mexiko. Weder die Grenzwächter noch die Polizei haben uns aufgehalten!"

Nach Angaben des mexikanischen Innenministeriums überquerten etwa 900 Migranten den Grenzfluss auf behelfsmäßigen Flößen oder Schlauchbooten. Als sie in Mexiko am seichten Flussufer an Land gingen, schritten die Polizisten nicht ein. Doch bei einer Festnahme droht den Flüchtlingen die Abschiebung aus Mexiko.

Tausende Menschen saßen unterdessen weiterhin auf der guatemaltekischen Seite fest. Die mexikanische Behörden wollten ihren Grenzübertritt mit Hilfe der Polizei verhindern.

Guatemala stellte unterdessen Busse für die Rückkehr der Honduraner in ihre Heimat bereit. Mehr als 300 machten nach Polizeiangaben von dem Angebot Gebrauch.

Die mexikanischen Grenzbehörden erhielten nach eigenen Angaben 640 Asylgesuche. Diejenigen von Frauen und Kindern wollten sie bevorzugt behandeln.

US-Präsident Donald Trump dankte Mexiko und seinem konservativen Staatschef Enrique Peña Nieto für seine Haltung in der Flüchtlingsfrage. Bei einem Wahlkampfauftritt in Elko im US-Bundesstaat Nevada sagte er, Mexiko respektiere jetzt die "Führerschaft der USA".

Peña Nieto hatte von einer "noch nie da gewesenen" Situation an der Grenze gesprochen. Migranten, die sich gewaltsam Zutritt verschafften, seien nicht nur eine Gefahr für Mexikos Souveränität, sondern auch für sich selbst, sagte er in einem Internetvideo.

Trump hatte Mexiko am Donnerstag aufgefordert, "diesen Ansturm" zu stoppen, andernfalls werde er das Militär einschalten und die Südgrenze schließen. Schon vorher hatte er Guatemala, Honduras und El Salvador damit gedroht, alle Finanzhilfen zu streichen, wenn sie die Migranten ziehen ließen.

Am Freitag hatten mehrere Flüchtlinge Absperrungen im Grenzort Techno Tucumán durchbrochen, um auf die Brücke nach Mexiko zu gelangen. Hunderte Bereitschaftspolizisten hatten sie unter Einsatz von Tränengas und Gummigeschosse zurückgedrängt. Aus der Menge wurden Steine und andere Gegenstände in Richtung der Bereitschaftspolizei geworfen. Mehrere Migranten, Polizisten und Journalisten wurden verletzt.

Der honduranische Präsident Juan Orlando Hernandez traf am Samstag den guatemaltekischen Staatschef Jimmy Morales in Guatemala. Beide beklagten die "politische Motivation" der Flüchtlinge. Die Migration verletze "die Grenzen und den guten Glauben der Staaten", sagte Morales. Hernandez kritisierte den "Missbrauch der Bedürfnisse der Menschen zu politischen Zwecken".

Honduras gehört besonders wegen der brutalen und mächtigen Jugendbanden und des Drogenhandels zu den Ländern mit den weltweit höchsten Gewaltraten. Außerdem leben 68 Prozent der neun Millionen Einwohner in Armut.

Nach Angaben der UNO passieren jährlich mehr als eine halbe Million Menschen illegal Mexikos südliche Grenze, um von dort in die USA zu gelangen.


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