20.10.2018, 13:00 Uhr

Berlin (AFP) Hessische Grüne wollen nach der Wahl mit allen außer der AfD reden

Tarek Al-Wazir. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka)Tarek Al-Wazir. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka (Foto: dpa/AFP/Archiv/Bernd Von Jutrczenka)

Spitzenkandidat Al-Wazir sieht sich noch nicht als Ministerpräsident

Die hessischen Grünen wollen nach der Landtagswahl mit fast allen anderen Parteien über mögliche Bündnisse sprechen. Dieser Ansatz gelte zwar prinzipiell auch für die AfD, doch er wisse nicht, "worüber ich mit denen reden sollte", sagte Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir der "Welt" vom Samstag. Linken-Chefin Katja Kipping zeigte sich bereit für ein Bündnis ihrer Partei mit Grünen und SPD - auch im Bund.

Al-Wazir sagte zu möglichen Koalitionen, erst nach Auszählung aller Stimmen werde sich zeigen, "was rechnerisch geht und - noch wichtiger - was mit wem inhaltlich geht". Überschneidungen mit der AfD sieht Al-Wazir allerdings nicht: "Wir Grüne sind ja der absolute Gegenpol zur AfD."

Auf die Frage, ob er angesichts der aktuell sehr guten Umfragewerte seiner Partei Ministerpräsident werden könne, gab sich der Grünen-Politiker zurückhaltend. "Die Umfragen ändern sich momentan sehr stark und Stimmungen sind noch keine Stimmen", sagte Al-Wazir.

Momentan regiert in Wiesbaden eine Koalition von CDU und Grünen. Doch den Umfragen zufolge könnte es dafür nach der Wahl vielleicht nicht mehr reichen. Rechnerisch mögliche waren zuletzt ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP oder eine Koalition von SPD, Grünen und Linken, möglicherweise sogar unter grüner Führung.

Der frühere Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir will seinen Parteikollegen in Hessen keine Ratschläge zur Koalitionsbildung erteilen. "Über Koalitionsfragen entscheidet bei uns Grünen der jeweilige Landesverband selbst", sagte er der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht.

Zu einem möglichen Bündnis mit Linken und SPD zeigte sich Özdemir zurückhaltend. "Beim vorigen Mal fand sich mit der Linkspartei keine gemeinsame Grundlage", rief er in Erinnerung.

Die Linken-Bundesvorsitzende Kipping zeigte sich offen für Rot-Rot-Grün oder Grün-Rot-Rot. "Eine mögliche Mitte-links-Regierung wird in Hessen an uns nicht scheitern", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag.

Mit Blick auf die Auswirkungen der Hessen-Wahl auf den Bund sagte Kipping: "Die Linke ist vorbereitet - auf alle Varianten." Sie sehe auch eine Hoffnung, "dass nun SPD, Grüne und Linke zusammenkommen", sagte Kipping. "Wir sollten alle zusammen um fortschrittliche Mehrheiten kämpfen und einen Macht- und Politikwechsel im Bund vorbereiten."


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