20.10.2018, 10:56 Uhr

Ciudad Hidalgo (AFP) Tausende Migranten durchbrechen Grenze zwischen Guatemala und Mexiko


Honduraner wollen vor Gewalt und Armut in die USA flüchten

Auf ihrem Marsch in Richtung USA haben tausende Migranten aus Mittelamerika die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko durchbrochen. Sie überwanden am Freitag mehrere Absperrungen im Grenzort Tecún Umán und gelangten auf eine Brücke über den Grenzfluss Suchiate. Am Ende der Grenzbrücke wurden sie von Polizisten gestoppt. Am Samstag saßen noch tausende Menschen vor dem Grenzübergang fest. Die Flüchtlinge, von denen die meisten aus Honduras kommen, versuchen über Mexiko in die USA zu gelangen.

Unter Rufen wie "Ja, wir können" und "Mexiko! Mexiko!" drückten die Menschen mehrere Metallabsperrungen ein, die ihnen den Durchgang zur Grenzbrücke versperrten. Erst am Ende der Brücke wurden sie von hunderten Polizisten aufgehalten.

Aus der Menge wurden Steine und andere Gegenstände auf die Sicherheitskräfte geworfen, die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Mehrere Migranten, Polizisten und Journalisten wurden verletzt.

Tausende Honduraner sind derzeit zu Fuß auf der Flucht vor Armut und Gewalt in ihrem Heimatland, ihr Ziel sind die USA. "Wir fliehen vor Gewalt, kommen hier an und bekommen noch mehr Prügel", sagte die 28-jährige Marta Ornelas Cazares unter Tränen. Sie habe darauf gehofft, "friedlich" über die Grenze gelassen zu werden, berichtete die Frau, die ihr Baby fest im Arm hielt, nachdem sie ihre zwei anderen Kinder im Gedränge verloren hatte.

"Wir haben nichts gegessen", sagte die 48-jährige Marina Alvarado. "Die Soldaten haben uns nur Wasser gegeben." Die Menschen würden "wie Tiere" behandelt. "Bitte macht die Tür auf", rief sie vor der letzten Absperrung.

Die mexikanischen Behörden begannen nach eigenen Angaben damit, die Menschen einreisen zu lassen - allerdings nur einer nach dem anderen. Mexiko besteht darauf, dass Migranten ohne Visum einen Asylantrag stellen müssen. Zuerst durften Frauen und Kinder die Grenze überqueren. Sie wurden mit Bussen in Auffanglager gebracht.

"Wir bleiben solange hier, bis sie diesen Zaun öffnen", sagte der 36-jährige Adonai Sanchez, der mit seinen drei Neffen vor dem Grenzübergang ausharrte. Andere Migranten kehrten am Freitagabend nach Guatemala zurück, wo sie in Unterkünften mit Essen und Trinkwasser versorgt wurden. Andere sprangen von der Brücke, um den Grenzfluss zu durchschwimmen oder eine Mitfahrgelegenheit auf einem Floß zu ergattern.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto sprach von einer "noch nie da gewesenen" Situation. Migranten, die sich gewaltsam Zutritt verschafften, seien nicht nur eine Gefahr für Mexikos Souveränität, sondern auch für sich selbst, sagte Peña Nieto in einem Internetvideo.

US-Präsident Donald Trump hatte Mexiko am Donnerstag aufgefordert, "diesen Ansturm" zu stoppen, andernfalls werde er das Militär einschalten und die Südgrenze schließen.

US-Außenminister Mike Pompeo warnte bei einem Treffen mit seinem mexikanischen Kollegen Luis Videgaray vor einer großen Krise, sollte eine Rekordzahl von Migranten in die USA gelangen. Videgaray antwortete, sein Land werde sich wie jeder andere Rechtsstaat an die Gesetze halten - "aber stets auf humanitäre Weise".

Noch am Donnerstag hatte Mexikos Botschafter in Guatemala versucht, die Menschen von einem illegalen Grenzübertritt abzuhalten. Alle Menschen im Besitz eines Passes und Visums könnten legal einreisen, die anderen könnten Asyl beantragen, sagte er.

Honduras gehört besonders wegen der brutalen und mächtigen Jugendbanden und des Drogenhandels zu den Ländern mit den weltweit höchsten Gewaltraten. Außerdem leben 68 Prozent der neun Millionen Einwohner in Armut.

Nach Angaben der UNO passieren jährlich mehr als eine halbe Million Menschen illegal Mexikos südliche Grenze, um von dort in die USA zu gelangen. Der Stopp der illegalen Einwanderung ist ein Kernthema von Trumps Agenda.


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