18.10.2018, 12:50 Uhr

Berlin (AFP) Verkehrsclub VCD empfiehlt in neuer Umweltliste auch einige Dieselmodelle

Elektroauto an einer Ladestation. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Hendrik Schmidt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Hendrik Schmidt)Elektroauto an einer Ladestation. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Hendrik Schmidt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Hendrik Schmidt)

Verein kritisiert Hersteller zugleich für Verzögerungen bei Elektromobilität

Wer auch in Zukunft ohne Einschränkungen in deutschen Innenstädten Auto fahren möchte, hat nach Einschätzung des ökologischen Verkehrsclubs VCD die Wahl zwischen einer Reihe von Benzinern, Elektrofahrzeugen und sogar Dieselautos. Der VCD präsentierte am Donnerstag seine diesjährige Auto-Umweltliste und stellte nur solche Autos vor, die "sauber und sparsam sind" und den neuen Abgastest WLTP erfüllen. Zugleich übte er Kritik an der Automobilindustrie.

Auf der Liste stehen insgesamt 61 Modelle mit einem geringen Schadstoffausstoß und Verbrauch, darunter 21 Benziner, acht Benzin-Hybride, sieben reine E-Autos, zwei Plugin-Hybride sowie ein Erdgasauto. Bei den Elektroautos nahm der VCD nur solche auf, die derzeit eine Lieferzeit von unter sieben Monaten haben. Die lange Lieferzeit ist eines der Hauptprobleme bei der Elektromobilität.

Im Gegensatz zur Liste des vergangenen Jahres nahm der VCD auch 22 Dieselmodelle auf - aber nur solche, die die Abgasnorm Euro-6d-TEMP erfüllen und ihre Abgase mit einem SCR-Katalysator reinigen. Alle empfohlenen Wagen wurden bereits nach dem realitätsnäheren WLTP-Verfahren gemessen und stoßen demnach maximal 135 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das entspricht einem Verbrauch von 5,1 Litern Diesel und 5,7 Litern Benzin auf hundert Kilometer.

Zu den empfehlenswerten Wagen zählt der VCD unter anderem den Toyota Prius Hybrid, der sich als "Familienauto und Taxi bewährt" habe. Auch Benzin-Direkteinspritzer mit Partikelfilter wie der Ford Focus EcoBoost und das kleine Erdgasauto eco up! von Volkswagen werden für gut befunden. Für Vielfahrer empfiehlt der VCD unter anderem einen Peugeot mit Blue HDI Dieselmotor, dieser beweise seinen "niedrigen Stickoxid-Ausstoß bei unabhängigen Messungen auf der Straße".

Der VCD warnte hingegen vor dem Kauf neuer Dieselautos der Euro-6c-Norm, die ein "Vielfaches der erlaubten Stickoxidwerte" ausstießen, sowie vor dem Kauf von Benzin-Direkteinspritzern ohne Partikelfilter. Beide könnten künftig von innerstädtischen Fahrverboten betroffen sein, erklärte der VCD.

Der Verkehrsclub kritisierte zudem die Hersteller. Diese würden auch drei Jahre nach Bekanntwerden des Abgasskandals "noch immer massenhaft schmutzige und klimaschädliche Pkw auf den Markt" werfen, monierte der Verband. Die Kürze der Auto-Umweltliste zeige "das Versagen der Autoindustrie im Gesundheits- und Klimaschutz sowie in der Verbraucherinformation". Noch nie sei es so schwierig gewesen wie in diesem Jahr, die aktuelle Umweltliste zu erstellen.

So sei vor allem das mangelnde Engagement bei der Elektromobilität ein Problem. Das Elektroauto bleibe auch 2018 ein "Stiefkind der Autoindustrie", erklärte der VCD. Deshalb würden hauptsächlich Verbrenner vorgestellt. Überschrieben ist der Bericht mit "Warten auf das grüne Auto" - er listet Alternativen für Verbraucher auf, um diese Wartezeit zu überbrücken.


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