18.10.2018, 13:01 Uhr

Mainz (AFP) Politbarometer: Grüne auch in Hessen im Höhenflug

Spitzenkandidaten Bouffier (links) und Schäfer-Gümbel. Quelle: dpa/AFP/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/AFP/Frank Rumpenhorst)Spitzenkandidaten Bouffier (links) und Schäfer-Gümbel. Quelle: dpa/AFP/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/AFP/Frank Rumpenhorst)

CDU und SPD müssen bei Wahl Ende Oktober mit massiven Stimmenverlusten rechnen

Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen liegen die Grünen in einer neuen Umfrage als zweitstärkste Kraft vor der SPD. Die Grünen kommen in dem am Donnerstag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" auf 22 Prozent, die Sozialdemokraten nur auf 20 Prozent. Die CDU bleibt demnach zwar stärkste Kraft, stürzt aber auf 26 Prozent ab. Union und SPD hätten damit keine Mehrheit in Hessen.

Die AfD würde laut der Umfrage zwölf Prozent bekommen und damit erstmals auch in den hessischen Landtag einziehen. Linkspartei und FDP kommen demnach jeweils auf acht Prozent. In Hessen wird am 28. Oktober ein neuer Landtag gewählt. In Wiesbaden regiert seit fünf Jahren eine schwarz-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Nach den Umfragewerten des ZDF-"Politbarometers" muss die amtierende schwarz-grüne Landesregierung in Hessen um ihre Mehrheit bangen. Sicher möglich sind demnach rechnerisch ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP oder eine grün-rot-rote Koalition. Die Regierungsbildung dürfte in beiden Fällen schwierig werden.

Der Wahl wird auch bundespolitisch eine enorme Bedeutung zugesprochen. Nach der Landtagswahl in Bayern, bei der die CSU und die SPD herbe Verluste einstecken mussten, wird vor allem das Abschneiden von CDU und Sozialdemokraten mit Spannung erwartet. Sollten die beiden Parteien tatsächlich massiv Stimmen verlieren, dürfte sich die Diskussion um die Zukunft der schwarz-roten Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter verstärken.

Die hessischen Grünen zeigten sich erfreut über die guten Umfragewerte. "Es gibt weiteren Schwung für den Schlussspurt, dass unser Kurs der Eigenständigkeit und klaren Botschaften bei den Wählern ankommt", erklärten die Spitzenkandidaten Priska Hinz und Tarek Al-Wazir. Die große Koalition in Berlin lähme sich dagegen im Dauerstreit selbst und zeige jeden Tag, "wie weit sie von den realen Themen der Menschen entfernt ist".

Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten läge Amtsinhaber Bouffier klar vor seinem SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel. Für ihn würden sich laut der Umfrage 46 Prozent der Befragten entscheiden, für Schäfer-Gümbel 32 Prozent.

Beliebtester Politiker ist allerdings der Grünen-Spitzenkandidat und amtierende Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf kommt er auf einen Wert von 1,7. Bouffier erreicht einen Wert von 1,2, SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel von 0,8.

Für die Umfrage befragte die Forschungsgruppe Wahlen von Montag bis Mittwoch 1035 Wahlberechtigte. Der statistische Fehlerbereich liegt den Angaben zufolge bei einem Wert von 40 Prozent bei drei Prozentpunkten, bei einem Wert von zehn Prozent bei zwei Prozentpunkten.


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