17.10.2018, 18:01 Uhr

New York (AFP) UN-Syriengesandter de Mistura kündigt Rücktritt an

Staffan de Mistura. Quelle: AFP/Archiv/Fabrice COFFRINI (Foto: AFP/Archiv/Fabrice COFFRINI)Staffan de Mistura. Quelle: AFP/Archiv/Fabrice COFFRINI (Foto: AFP/Archiv/Fabrice COFFRINI)

"Persönliche Gründe" - Reise nach Damaskus für kommende Woche geplant

Nach mehr als vier Jahren erfolgloser Vermittlungsbemühungen im Syrienkonflikt hat der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sein Amt "aus persönlichen Gründen" Ende November aufgeben, teilte de Mistura am Mittwoch im UN-Sicherheitsrat mit. Zugleich kündigte er an, kommende Woche erneut nach Damaskus zu reisen, um den Prozess für eine neue syrische Verfassung voranzubringen. Wer ihm als UN-Sondergesandter nachfolgt, ist noch unklar.

Der italienisch-schwedische Diplomat betonte, er werde seinen Verpflichtungen "bis zur letzten Stunde am letzten Tag meines Mandats" nachkommen. Der Rücktritt war seit einiger Zeit erwartet worden. UN-Generalsekretär Antonio Guterres ist laut Diplomatenangaben bereits seit Monaten auf der Suche nach einem Nachfolger. Als mögliche Kandidaten gelten demnach unter anderem der UN-Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozess, Nickolay Mladenov, und der UN-Gesandte für den Irak, Jan Kubis.

Der 71-jährige de Mistura, der kürzlich geheiratet hat, ist der dritte Syrien-Sondergesandte der Vereinten Nationen. Er trat sein Amt im Juli 2014 als Nachfolger des ehemaligen algerischen Außenministers Lakhdar Brahimi an. Zuvor hatte Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan den Posten inne.

Unter der Aufsicht de Misturas starteten Anfang 2016 drei Runden indirekter Verhandlungen zwischen Regierung und Oppositionsgruppen in Genf. Weitere Gesprächsrunden folgten, sie verliefen jedoch alle im Sande. Stattdessen brachte Syriens Machthaber Baschar al-Assad die meisten Rebellengebiete unterstützt von seinem russischen Verbündeten mit militärischer Gewalt wieder unter seine Kontrolle.

Zeitgleich mit seinem Rücktritt kündigte de Mistura am Mittwoch an, er werde kommende Woche auf Einladung der syrischen Regierung ein weiteres Mal nach Damaskus reisen. Dort will er Gespräche zur Einberufung eines Verfassungsausschusses führen. De Mistura hofft nach eigenen Worten, den Ausschuss im November einberufen zu können. Das Gremium müsse "glaubwürdig" sein und zu gleichen Teilen mit Vertretern der syrischen Regierung, der Opposition und Vertretern der Zivilgesellschaft besetzt werden.

Der Verfassungsausschuss war im Januar bei der Syrien-Konferenz im russischen Sotschi in Aussicht gestellt worden. Deutschland und sechs weitere Staaten hatten unlängst erneut dessen rasche Einberufung gefordert. Der geplante Ausschuss solle eine neue Verfassung für das Bürgerkriegsland entwerfen und die "Grundlagen für freie und faire Wahlen unter Aufsicht der Vereinten Nationen" schaffen, verlangten die Außenminister von Deutschland, Ägypten, Frankreich, Jordanien, Saudi-Arabien, Großbritannien und der USA.

In Syrien herrscht seit 2011 Bürgerkrieg. In dem Konflikt wurden mehr als 360.000 Menschen getötet, Millionen Syrer wurden in die Flucht getrieben.


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