17.10.2018, 13:47 Uhr

Köln (AFP) Behörden stufen Geiselnahme von Köln als möglichen Terroranschlag ein

Abgesperrter Tatort am Kölner Hauptbahnhof. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Oliver Berg (Foto: dpa/AFP/Archiv/Oliver Berg)Abgesperrter Tatort am Kölner Hauptbahnhof. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Oliver Berg (Foto: dpa/AFP/Archiv/Oliver Berg)

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen gegen 55-jährigen Syrer

Die Behörden stufen die Geiselnahme im Kölner Hautbahnhof als eine mögliche Terrorattacke ein. Am Mittwoch übernahm die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen und erklärte, es gebe nach nach ihrem bisherigen Erkenntnisstand "zureichende Anhaltspunkte für einen radikalislamistischen Hintergrund". Ob sich der Anfangsverdacht erhärte, werde im Zuge der Ermittlungen weiter geklärt.

Laut Bundesanwaltschaft bezeichnete sich der 55-jährige Syrer als Mitglied der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Außerdem forderte er während der Geiselnahme am Montag in Telefonaten mit den Einsatzkräften unter anderem, zum IS nach Syrien ausgeflogen zu werden. Es werde nun zu klären sein, ob der Mann die Tat als Mitglied des IS oder einer anderen Terrorgruppierung verübte, zu dieser Kontakt hatte oder unter ihrem Einfluss stand.

Der 55-Jährige hatte in einem Schnellrestaurant im Hauptbahnhof der nordrhein-westfälischen Stadt eine brennbare Flüssigkeit angezündet und eine heftige Verpuffung ausgelöst. Dabei wurde eine Jugendliche schwer verletzt. Anschließend nahm er in einer benachbarten Apotheke eine Angestellte als Geisel. Als er diese anzündete, griff ein Spezialkommando der Polizei ein. Der Täter wurde dabei durch Schüsse der Beamten lebensgefährlich verletzt.

Die Geisel wurde verletzt, konnte das Krankenhaus aber bereits am Dienstag wieder verlassen. Der Zustand des Verdächtigen war nach einer Notoperation stabil, er lag allerdings zunächst im Koma.

Nach Angaben der Ermittler der Kölner Polizei ließ der Mann nach der Verpuffung in dem Schnellrestaurant dort eine größere Menge Brandbeschleuniger sowie Gaskartuschen zurück. Zeugenaussagen zufolge war er zur Tatzeit "wahrnehmbar alkoholisiert". Nach Angaben der Behörden war er wegen Drogendelikten und anderer Vergehen wie Diebstahl, Bedrohung und Betrug polizeibekannt. Außerdem war es ihm offenbar aus psychischen Gründen nicht möglich zu arbeiten.

Die Ermittlungen gegen ihn werden wegen zweifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung geführt. Laut Behörden kam der Mann 2015 nach Deutschland und lebte in Köln als anerkannter Flüchtling in einer Unterkunft. Auch sein Sohn und sein Bruder leben in Deutschland. Seine Frau befindet sich demnach noch in Syrien. Ihr Antrag auf Einreise wurde abgelehnt.

Gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland äußerten Vertreter aus Sicherheitskreise derweil Zweifel an einer radikalislamisch motivierten Terrortat. So wiesen sie unter anderem darauf hin, dass der Mann mit 55 Jahren untypisch alt für einen Attentäter sei. Zudem habe er die Bezeichnung "Daesh" für den IS benutzt. Diese wird vom IS selbst nicht verwendet und hat einen negativen Beiklang.


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