13.10.2018, 17:20 Uhr

Koblenz (AFP) Ursache von ICE-Brand war technischer Defekt

Ausgebrannter ICE-Waggon. Quelle: dpa/AFP/Thomas Frey (Foto: dpa/AFP/Thomas Frey)Ausgebrannter ICE-Waggon. Quelle: dpa/AFP/Thomas Frey (Foto: dpa/AFP/Thomas Frey)

Strecke voraussichtlich noch die gesamte kommende Woche gesperrt

Der ICE-Brand auf der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main ist nach Erkenntnissen der Ermittler durch einen technischen Defekt ausgelöst worden. Eine Fremdeinwirkung sei ausgeschlossen, teilte die Bundespolizei am Samstag mit. Wie die Deutsche Bahn AG am Abend erklärte, bleibt der Streckenabschnitt voraussichtlich noch bis Ende kommender Woche gesperrt. Solange müssen Bahnreisende zwischen Köln und Frankfurt mit einer 80 Minuten längeren Fahrtzeit rechnen.

In dem mit etwa 500 Menschen besetzten ICE war am Freitagmorgen im Westerwald nahe des Orts Kleinmaischeid ein Feuer ausgebrochen. Alle Passagiere und das Zugpersonal konnten den ICE verlassen. Für den Löscheinsatz wurde die neben den Bahngleisen verlaufende Autobahn A3 zeitweise komplett gesperrt. Es gab fünf Leichtverletzte. Zwei Waggons brannten aus.

Wie genau es zu dem Brand kommen konnte, sollen nun weitere Untersuchungen im Labor klären. Diese Ermittlungen gemeinsam mit der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) würden nun "sicher noch mehrere Wochen andauern", erklärte die Bundespolizei.

"Wir sind froh, dass die Evakuierung des Zugs gestern schnell und sicher durch alle Beteiligten vonstatten gegangen ist", erklärte Bahn-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber. "Dafür danken wir allen Einsatzkräften, Helfern und unseren Mitarbeitern." Huber kündigte an, dass nun alles dafür getan werde, den Betrieb auf der Strecke "schnellstmöglich" wieder aufzunehmen.

Später teilte die Bahn mit, dass die Schellfahrstrecke Köln-Rhein/Main "für Reparaturarbeiten voraussichtlich bis Ende kommender Woche gesperrt bleiben" müsse. Zunächst seien auf der Strecke Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät notwendig gewesen, damit die Bahn die Schäden an Gleisen, Signaltechnik und Oberleitung analysieren konnte.

"Nach der Schadensfeststellung wurden sofort Reparaturmaßnahmen und weitere Untersuchungen in die Wege geleitet", hieß es in der Unternehmensmitteilung weiter. Der unbeschädigte Teil des Zuges wurde bereits weggebracht, der Abtransport des ausgebrannten Zugteils in die Wege geleitet. Ziel sei es, das weniger betroffene Gleis kurzfristig zu reparieren, so dass zumindest ein eingleisiger Betrieb möglich werde.

Während der Streckensperrung werden die Züge zwischen den Metropolen Köln und Frankfurt über Koblenz und Mainz umgeleitet und fahren deshalb nach Bahn-Angaben "bis zu 80 Minuten länger". Die Halte in Siegburg/Bonn, Montabaur und Limburg Süd entfallen.

Ab Montag will die Bahn nach eigenen Angaben zusätzliche Züge zwischen Montabaur, Limburg/Süd, Frankfurt Flughafen und Frankfurt am Main/Hauptbahnhof einsetzen. Die Bahn empfahl Kunden, sich vor einer Fahrt über die Internetseite des Unternehmens bahn.de oder die Smartphone-App DB Navigator zu informieren.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Jung forderte indes, der Staatskonzern und die Bundesregierung müssten nun "schon vor den Ermittlungsergebnissen der Brandexperten aufklären, warum offenbar nicht alle in Deutschland verkehrenden ICE mit einem optimalen Brandschutz und Brandschutzmeldern ausgerüstet sind".

Der Unfall zeige aber auch, "dass durch ein solches Ereignis ein Großteil der Bahn-Infrastruktur lahmgelegt wird und dadurch neben dem Personenverkehr auch der Güterverkehr wegen fehlender und funktionierender Ausweichstrecken zum Erliegen kommen kann, wie wir dies schon 2017 bei der Tunnelhavarie in Rastatt-Niederbühl und der langen Sperrung der Rheintalbahn gesehen haben", erklärte der Berichterstatter der FDP-Fraktion für Bahninfrastruktur.


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