13.10.2018, 16:52 Uhr

Istanbul (AFP) Saudi-Arabiens Innenminister verwahrt sich gegen Mordverdacht im Fall Khashoggi

Jamal Khashoggi im Dezember 2014. Quelle: AFP/Archiv/MOHAMMED AL-SHAIKH (Foto: AFP/Archiv/MOHAMMED AL-SHAIKH)Jamal Khashoggi im Dezember 2014. Quelle: AFP/Archiv/MOHAMMED AL-SHAIKH (Foto: AFP/Archiv/MOHAMMED AL-SHAIKH)

Trump schließt Verantwortung Riads nicht aus und droht "schwere Strafe" an

Die saudiarabische Regierung hat sich gegen Mordvorwürfe im Fall des vermissten Journalisten Jamal Khashoggi verwahrt. Innenminister Prinz Abdel Asis bin Saud bin Najef sprach am Samstag von "unbegründeten Anschuldigungen und Lügen". US-Präsident Donald Trump drohte dem Verbündeten mit "schweren Strafen", sollten sich Berichte über Khashoggis Ermordung im saudiarabischen Konsulat in Istanbul bestätigen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) forderte von Riad rasche Aufklärung.

Innenminister Abdel Asis äußerte sich als erstes Kabinettsmitglied zu den von der Türkei erhobenen Vorwürfen. Am Wochenende war eine Delegation aus dem Königreich in Istanbul. Ziel sei es, in Zusammenarbeit mit der Türkei die Umstände von Khashoggis Verschwinden aufzuklären, sagte der Innenminister.

Die elfköpfige Delegation aus Riad inspizierte am Freitag das Konsulat in Istanbul, wie der türkische Fernsehsender NTV berichtete. Amtlichen türkischen Medien zufolge sollen sich die Delegationsmitglieder an einer gemeinsamen Arbeitsgruppe beteiligen, um den Fall aufzuklären.

Laut Ankara hatten sich beide Seiten auf eine Durchsuchung des Konsulats geeinigt. Berichten zufolge sind sich beide Seiten aber noch nicht über die Modalitäten einig, da die türkischen Ermittlungen in dem Fall in saudiarabischen Territorium stattfänden. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte am Samstag erneut Zugang zum Konsulat und warf Riad vor, es gebe immer noch keine Zusammenarbeit bei der Aufklärung des Falls.

Von Khashoggi fehlt seit seinem Konsulats-Besuch am 2. Oktober jede Spur. Türkische Ermittler gehen davon aus, dass der Regierungskritiker dort von saudiarabischen Agenten ermordet wurde. Riad bestreitet dies, ist bisher aber den Beweis dafür schuldig geblieben, dass der damals 59-jährige Khashoggi das Gebäude lebend verließ.

US-Präsident Trump schloss nicht aus, dass Saudi-Arabien für das Verschwinden Khashoggis verantwortlich sein könnte. "Könnten sie es sein? Ja", sagte Trump in der CBS-Sendung "60 Minutes" laut vorab veröffentlichten Interview-Auszügen. "Wir werden der Sache auf den Grund gehen und es wird eine schwere Strafe geben."

UN-Generalsekretär Antonio Guterres mahnte ebenso wie Bundesaußenminister Heiko Maas die Aufklärung des Falles an. "Wir müssen genau wissen, was passiert ist, und wir müssen genau wissen, wer verantwortlich ist", sagte Guterres dem britischen Sender BBC.

"Wir können uns nicht damit abfinden, dass Journalisten weltweit immer öfter wegen ihrer Arbeit bedroht und angegriffen werden", sagte Maas der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Das gilt auch für Saudi-Arabien" und "für Journalisten im Exil".

IWF-Chefin Christine Lagarde zeigte sich entsetzt über die Berichte zum Verschwinden Khashoggis. "Menschenrechte, Informationsfreiheit sind grundlegende Rechte, und entsetzliche Dinge wurden berichtet", sagte Lagarde beim Herbsttreffen des Internationalen Währungsfonds in Indonesien. Sie halte jedoch vorerst an ihrer Teilnahme an einem Wirtschaftsgipfel in Riad fest.

Bei dem "Wüsten-Davos" genannten Wirtschaftsgipfel vom 23. bis 25. Oktober will Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman sein Reformprogramm präsentieren und bei ausländischen Wirtschaftsvertretern um Investitionen werben. Nach dem Verschwinden Khashoggis gingen bereits zahlreiche westliche Unternehmen auf Distanz.

Die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah" berichtete, Khashoggi habe im Konsulat eine Apple Watch getragen, die mit einem iPhone synchronisiert gewesen sei, das er bei seiner Verlobten Hatice Cengiz gelassen habe. Die Smartwatch habe die Ereignisse im Konsulat aufgenommen, die Aufnahme sei in der Cloud gespeichert worden. Allerdings habe Saudi-Arabien versucht, sie teilweise zu löschen.

Die US-Zeitung "Washington Post" hatte bereits am Donnerstag berichtet, türkische Regierungsvertreter hätten US-Vertretern von Audio- und Videoaufnahmen berichtet. Darauf sei zu sehen und zu hören, wie Khashoggi in dem Konsulat verhört, gefoltert und ermordet wurde. Anschließend sei seine Leiche zerteilt worden, berichtete das Blatt, für das Khashoggi seit seiner Flucht aus seiner Heimat vergangenes Jahr Kolumnen geschrieben hatte.


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