10.10.2018, 15:18 Uhr

Vatikanstadt (AFP) Papst Franziskus vergleicht Abtreibungen mit Auftragsmorden

Papst Franziskus bei der Generalaudienz . Quelle: AFP/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Alberto PIZZOLI)Papst Franziskus bei der Generalaudienz . Quelle: AFP/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Alberto PIZZOLI)

Kirchenoberhaupt beklagt "Abwertung menschlichen Lebens"

Papst Franziskus hat Abtreibung mit einem Auftragsmord verglichen. "Einen Menschen zu beseitigen ist wie die Inanspruchnahme eines Auftragsmörders, um ein Problem zu lösen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Mittwoch bei seiner Generalaudienz im Vatikan. Er kritisierte Ärzte, die im Falle einer Behinderung des Fötus zum Schwangerschaftsabbruch rieten. Harsche Kritik an dem Vergleich kam aus der katholischen Reformbewegung in Deutschland.

In seiner Predigt befasste sich Franziskus zunächst mit dem biblischen Gebot, nicht zu töten. Er prangerte die "Abwertung menschlichen Lebens" durch Kriege, Ausbeutung und Ausgrenzung an. Dann kam der 81-Jährige auf Abtreibungen zu sprechen: "Aber wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein?"

Eine Schwangerschaft "im Namen des Schutzes anderer Rechte" abzubrechen, sei "wie jemanden zu beseitigen", sagte der Papst. "Ist es richtig, ein menschliches Leben zu beseitigen, um ein Problem zu lösen?" "Gewalt und Zurückweisung des Lebens" hätten eine gemeinsame Quelle: "Angst".

Insbesondere prangerte der Papst die angeblichen Ratschläge von Ärzten zur Abtreibung behinderter Kinder an. "Ein behindertes Kind ist wie jeder Bedürftige auf der Welt, wie ein alter Mensch, der Hilfe benötigt, wie so viele Arme, die kaum über die Runden kommen", sagte Franziskus. Er verglich die Geburt eines behinderten Kindes mit einem "Gottesgeschenk", das es den Eltern ermögliche, die "Selbstbezogenheit" hinter sich zu lassen.

Bereits im Juni hatte sich der 81-Jährige mit harschen Worten zu Schwangerschaftsabbrüchen eingelassen. Er verglich die Abtreibung von Föten, die Behinderungen aufwiesen, mit dem Euthanasieprogramm der NS-Diktatur.

Abtreibung ist in der katholischen Kirche tabu und eine schwere Sünde. In Franziskus' Heimatland Argentinien war im August ein Gesetz zur Legalisierung von Abtreibungen gescheitert - nicht zuletzt wegen des massiven Widerstands der katholischen Kirche. Franziskus hatte die Bischöfe des Landes in einem Brief aufgefordert, "Leben und Gerechtigkeit" zu verteidigen.

Der deutsche Verein Frauenwürde wies den Auftragsmord-Vergleich des Papstes entschieden zurück. "Die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen einem Auftragsmord und einem Schwangerschaftsabbruch beleidigt sowohl die Opfer eines Mords als auch die Gewissensentscheidung einer Frau im Schwangerschaftskonflikt", erklärte der Verein, der Schwangerschaftskonfliktberatung in katholischer Trägerschaft unterstützt und eine Projektgruppe der katholischen Reformbewegung Wir sind Kirche ist.

Die "geringe Sensibilität" gegenüber schwangeren Frauen in einer Notsituation reihe "sich ein in die vielen abstrusen Gedanken der Päpste der römisch-katholischen Kirche zur Lebenswirklichkeit von Frauen", erklärte der Verein. Schwangerschaftsabbrüche habe es auch bei einem strikten Verbot immer gegeben und werde es immer geben.

Nur wenn die Notsituation der betroffenen Frauen anerkannt werde und sie darüber reden dürften, könnten ihnen "Hilfen aufgezeigt werden, ein Leben mit dem Kind zu gestalten und zu meistern", hob der Verein Frauenwürde hervor. "Die Haltung des Papstes und der katholischen Kirche verhindert somit möglicherweise sogar die Entscheidung für das Kind."


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