09.10.2018, 13:37 Uhr

Istanbul (AFP) Saudi-Arabien erlaubt der Türkei Durchsuchung von Konsulat in Istanbul

Türken wollen Konsulat Saudi-Arabiens durchsuchen. Quelle: AFP/OZAN KOSE (Foto: AFP/OZAN KOSE)Türken wollen Konsulat Saudi-Arabiens durchsuchen. Quelle: AFP/OZAN KOSE (Foto: AFP/OZAN KOSE)

USA fordern Untersuchung zu Verschwinden von Journalist Khashoggi

Eine Woche nach dem Verschwinden des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul hat Saudi-Arabien der Türkei die Durchsuchung seines dortigen Konsulats erlaubt. Wie das türkische Außenministerium am Dienstag mitteilte, stimmten die saudiarabischen Behörden der Durchsuchung des Gebäudes zu. Angesichts der Vorwürfe, ein Killerkommando aus Saudi-Arabien habe den Dissidenten im Konsulat ermordet, forderten die USA eine "gründliche Untersuchung" des Falls.

"Die saudiarabischen Behörden haben sich zur Kooperation bereit erklärt und einer Durchsuchung des Konsulatsgebäudes zugestimmt", erklärte der türkische Außenamtssprecher Hami Aksoy, ohne einen Termin für die Durchsuchung zu nennen. Saudi-Arabien steht unter Druck, seitdem am Wochenende aus türkischen Regierungskreisen verlautete, dass die Polizei von der Ermordung Khashoggis im Istanbuler Konsulat ausgehe.

Demnach soll am vergangenen Dienstag ein 15-köpfiges Kommando aus Saudi-Arabien angereist sein, um den 59-jährigen Dissidenten während eines Besuchs im Konsulat zu töten und seine Leiche zu beseitigen. Riad bestreitet die Vorwürfe, bisher aber ist die saudiarabische Führung den Beweis schuldig geblieben, dass Khashoggi das Konsulat wieder lebend verließ.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte von Saudi-Arabien, als Beweis Bilder der Überwachungskameras am Eingang vorzulegen. "Wenn er rausgegangen ist, dann müsst Ihr das mit Bildern belegen", sagte Erdogan, der zuvor Khashoggi einen "Journalistenfreund" genannt hatte, den er seit langem kenne. Das Verhältnis der Türkei zu Saudi-Arabien ist wegen einer Reihe von Differenzen seit längerem angespannt.

US-Außenminister Mike Pompeo verlangte von Saudi-Arabien am Montag eine "gründliche Untersuchung" zum Verschwinden des Journalisten. Es gebe "widersprüchliche Berichte" über den Verbleib Khashoggis, und die US-Regierung stehe mit saudiarabischen Vertretern im Kontakt. Zuvor hatte sich US-Präsident Donald Trump besorgt über das Schicksal Khashoggis gezeigt. Es seien "einige schlimme Geschichten im Umlauf", sagte Trump.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt erklärte, er habe wegen des Falls den saudiarabischen Botschafter getroffen. "Wenn sich die Medienberichte als korrekt erweisen, werden wir den Vorfall sehr ernst nehmen", warnte er.

Eine Sprecherin vom UN-Menschenrechtsbüro in Genf sprach von einem "äußerst besorgniserregenden" Fall von "immensem öffentlichen Interesse" und forderte eine "umgehende, unparteiische und unabhängige Untersuchung".

Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verlangte eine eingehende Untersuchung und erklärte, die EU unterstütze in dieser Forderung "zu hundert Prozent die amerikanische Position".

Die Türkei bemühte sich derweil, die 15 Saudi-Araber zu identifizieren, die am Tag von Khashoggis Verschwinden in zwei Flugzeugen in Istanbul eintrafen und sich zur gleichen Zeit im Konsulat aufhielten wie der vermisste Dissident. Der türkische Staatssender TRT World berichtete, Behördenvertreter vermuteten, dass die Saudi-Araber die Bilder der Überwachungskameras vom Konsulat mitnahmen, als sie nach Saudi-Arabien zurückkehrten.

Nach Informationen der regierungsnahen Zeitung "Sabah" prüft die Polizei, ob Khashoggi entführt wurde. Demnach traf die Gruppe am vergangenen Dienstag um 03.00 Uhr und um 17.00 Uhr in zwei Flugzeugen in Istanbul ein. Die Maschinen gehörten einer Firma mit Verbindungen zum Staat, hieß es weiter. Die 15 Saudiaraber hätten in zwei Hotels in der Nähe des Konsulats eingecheckt.

Den türkischen Angestellten des Konsulats wurde demnach kurzfristig gesagt, sie sollten am Dienstag Urlaub nehmen. Die beiden Flugzeuge hätten später am Dienstag Istanbul wieder verlassen und seien mit Zwischenstopps in Dubai beziehungsweise Ägypten nach Saudi-Arabien zurückgekehrt.


0 Kommentare