08.10.2018, 13:21 Uhr

Köln (AFP) IW-Studie: Wohnungsmangel wird für Studierende immer schlimmer

Schwarzes Brett in der LMU in München. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk (Foto: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk)Schwarzes Brett in der LMU in München. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk (Foto: dpa/AFP/Archiv/Matthias Balk)

Bau hinkt rasch steigenden Studentenzahlen hinterher - München am teuersten

Für Studenten wird es immer schwieriger, eine Wohnung zu finden - und diese dann auch bezahlen zu können. Besonders angespannt ist die Lage in Großstädten, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervorgeht. Politiker von FDP, Grünen und Linken riefen dazu auf, rasch mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Der IW-Studie zufolge stieg die Zahl der Studierenden seit 2010 um rund 28 Prozent, in einigen Städten sogar um 40 Prozent. Gleichzeitig hinke allerdings der Wohnungsbau hinterher, um den Markt zu entspannen: Der Studentenwohnpreisindex zeige deshalb für München seit 2010 ein Plus von 51 Prozent, in Berlin stieg der Preis für eine Musterwohnung sogar um 67 Prozent.

Der Mietanstieg setzt sich demnach auch aktuell fort. So gab es im ersten Halbjahr 2018 in Berlin einen Preisanstieg von 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in Heidelberg, Frankfurt am Main und Bamberg lag das Plus bei mehr als sechs Prozent. Die Forscher betrachteten eine Musterwohnung von 30 Quadratmetern mit durchschnittlicher Ausstattung und guter Anbindung zur Uni. Die Daten stammen von den Portalen Immobilienscout24 und wg-suche.de, nicht betrachtet wurden Wohnheime.

In München kostete eine Musterwohnung mit 634 Euro Warmmiete im Monat im ersten Halbjahr 2018 am meisten, das waren zudem im Schnitt 25 Euro mehr als noch vor einem Jahr. Auch Frankfurt schlug mit 500 Euro zu Buche. In sechs der 18 betrachteten Städte lag die Miete aber unter 350 Euro, in Leipzig, Magdeburg und dem Ruhrgebiet waren es sogar weniger als 300 Euro.

In Großstädten konkurrierten die Studenten zunehmend mit Senioren, Berufseinsteigern und Pendlern, warnten die Forscher. "Nur der Bau neuer Wohnungen entspannt die Lage", erklärte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Betrachtet hatte das Forschungsinstitut neben Metropolen wie Berlin, Hamburg und Köln auch typische Universitätsstädte wie Jena, Münster und Göttingen.

FDP, Grüne und Linke forderten angesichts der Studienergebnisse mehr Engagement für bezahlbaren Wohnraum. Dabei müsse die Maxime lauten: "Günstiger bauen bedeutet günstiger wohnen", erklärte der bau- und wohnungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Daniel Föst.

Nötig seien deshalb "innovative und flexible Wohnkonzepte" wie serielles und modulares Bauen, das einheitliche Bauten in großer Stückzahl möglich machen soll. Erforderlich dafür sei eine entsprechende Modernisierung der Bauordnungen, forderten die Liberalen.

Die Linke sprach sich für ein Bund-Länder-Programm aus, das flächendeckend Wohnraum speziell für Studierende vorantreiben soll. "Was nützt das ganze Werben um die klügsten Köpfe, wenn diese Köpfe kein vernünftiges Dach über dem Kopf haben?", kritisierte die hochschul- und wissenschaftspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Nicole Gohlke.

Die Grünen forderten einen "bundesweiten Aktionsplan" für studentisches Wohnen. "Die Bundesregierung fördert Eliteuniversitäten mit Bundesmitteln, sorgt aber nicht für ausreichend Wohnraum", kritisierte Chris Kühn, Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Wohnungspolitik. "Die große Nachfrage nach Studienplätzen heizt die Lage auf den ohnehin angespannten Wohnungsmärkten vieler Hochschulstädte weiter an", erklärte er.

Die Bundesregierung habe es bisher nicht geschafft, dafür tragfähige Lösungen zu entwickeln. Die Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau müssten auf mindestens zwei Milliarden Euro im Jahr aufgestockt werden. Nötig sei neben einer funktionsfähigen Mietpreisbremse auch, Liegenschaften des Bundes vergünstigt an Studierendenwerke abzugeben.


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