07.10.2018, 13:11 Uhr

Berlin (AFP) Merkel in "Topform": Union vereint sich vor Landtagswahlen hinter Kanzlerin

Angela Merkel. Quelle: dpa/AFP/Carsten Rehder (Foto: dpa/AFP/Carsten Rehder)Angela Merkel. Quelle: dpa/AFP/Carsten Rehder (Foto: dpa/AFP/Carsten Rehder)

Junge Union empfängt CDU-Vorsitzende mit freundlichem Applaus

Freundlicher Applaus vom Nachwuchs und Rückendeckung führender Unionspolitiker: Als Reaktion auf Spekulationen über die politische Zukunft von Kanzlerin Angela Merkel hat die CDU-Vorsitzende am Wochenende demonstrativ Unterstützung aus den eigenen Reihen bekommen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich jedoch auch zu einem möglichen Ende der großen Koalition.

Vor den Landtagswahlen in Bayern am kommenden Sonntag und in Hessen zwei Wochen später bemühen sich CDU und CSU angesichts schlechter Umfragewerte um Geschlossenheit. Der Großteil der Wähler in Bayern und Hessen sei noch vollkommen unentschieden, sagte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer am Sonntag. Um diese Menschen zu überzeugen, "müssen wir auch selbst überzeugt von uns sein", fügte die CDU-Politikerin hinzu und forderte ein Ende des öffentlichen Streits in den eigenen Reihen.

Kramp-Karrenbauer äußerte sich beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Kiel. Die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU gilt in weiten Teilen als kritisch gegenüber Merkel eingestellt. Der Kanzlerin bereitete die JU am Samstag jedoch einen weitgehend freundlichen Empfang, auch wenn der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak mit Blick auf den Zustand der großen Koalition forderte, dass es so "schlicht und ergreifend nicht weitergehen kann".

In ihrer Rede vor den rund eintausend JU-Delegierten mahnte Merkel die Union zur Einigkeit. CSU und CDU stünden vor "sehr, sehr wichtigen Landtagswahlen". Sie rufe alle Unionsvertreter daher auf, sich an die Wähler zu wenden und "nicht miteinander Fingerhakeln zu machen".

In Bayern und in Hessen drohen den Unionsparteien schlechte Ergebnisse: Die CSU dürfte in Bayern ihre absolute Mehrheit verlieren, in Hessen könnte die schwarz-grüne Koalition von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) abgewählt werden. In CDU und CSU macht sich offenbar die Befürchtung breit, dass die Spekulationen um Merkels Zukunft als CDU-Parteichefin und Kanzlerin ihnen bei den Wahlen schaden.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer begrüßte es, dass Merkel sich im Dezember als CDU-Vorsitzende zur Wiederwahl stellen wolle. Merkel sei in "Topform", sagte Seehofer der "Welt am Sonntag". "Sie macht mit voller Energie ihre Arbeit und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass sie noch viel vorhat."

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Bouffier geht davon aus, dass der Parteitag im Dezember in Hamburg "ziemlich unspektakulär" verlaufen werde und Merkel mit "klarer Zustimmung" rechnen könne. Die meisten Parteimitglieder wollten "kein weiteres Durcheinander der Bundespartei", sagte Bouffier dem "Tagesspiegel".

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass Merkel wiedergewählt werde. Einen frühzeitigen Bruch der großen Koalition durch die SPD hält er jedoch für denkbar. "Wenn die SPD irgendwann nicht mehr kann, geht davon die Welt nicht unter", sagte Schäuble der "Bild am Sonntag". "Wir haben stabile demokratische Verhältnisse."


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