06.10.2018, 03:32 Uhr

Chicago (AFP) US-Polizist wegen Todesschüssen auf schwarzen 17-Jährigen schuldig gesprochen

Demonstranten feiern vor Gericht Schuldspruch. Quelle: AFP/JIM YOUNG (Foto: AFP/JIM YOUNG)Demonstranten feiern vor Gericht Schuldspruch. Quelle: AFP/JIM YOUNG (Foto: AFP/JIM YOUNG)

Video der 2014 verübten Tat löste Massenproteste in Chicago aus

Vier Jahre nach tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Jugendlichen in Chicago ist ein Polizist wegen der Tat schuldig gesprochen worden. Ein Geschworenengericht verurteilte den Angeklagten Jason Van Dyke am Freitag wegen Totschlags. Der 40-Jährige war wegen Mordes angeklagt und hatte auf nicht schuldig plädiert. Der Tod des 17-jährigen Laquan McDonald hatte zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus in der drittgrößten Stadt der USA geführt.

Van Dyke hatte den 17-Jährigen im Oktober 2014 erschossen. Erst ein Jahr nach der Tat auf richterliche Anweisung veröffentlichte Videoaufnahmen zeigten, dass der weiße Beamte 16 Mal auf den jungen Mann feuerte, der mit einem Messer in der Hand vor ihm weglaufen wollte. Daraufhin gingen im November 2015 tausende Menschen in Chicago auf die Straße. Nach den Protesten wurde unter anderem der Polizeichef der Stadt im US-Bundesstaat Illinois entlassen.

Die zwölf Geschworenen befanden Van Dyke am Freitag nach nur eintägigen Beratungen in mehreren Anklagepunkten für schuldig. Ihm könnten bis zu 30 Jahre Haft drohen. Er wurde umgehend in Gewahrsam genommen. Wann die Verkündung des Strafmaßes ansteht, ist noch unklar. Die Polizeigewerkschaft, die Van Dyke vertritt, kündigte Berufung an.

Die Familie des Opfers begrüßte den Schuldspruch. "Das ist ein Sieg für Amerika", sagte der Sprecher der Familie, McDonalds Großonkel Marvin Hunter. Die Stadt Chicago hatte 2015 eine Schadenersatzvereinbarung über fünf Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro) mit der Familie getroffen.

Vor dem Geschworenengericht jubelten zahlreiche Menschen bei der Verkündung des Schuldspruches. Tausende Polizisten waren im Einsatz, da neuerliche Proteste befürchtet worden waren. Staatsanwalt Joe McMahon sagte, er hoffe, dass das Urteil "ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den Sicherheitskräften und der Bevölkerung" eröffnet.

Van Dyke hatte nach dem Bekanntwerden der Tat gemeinsam mit mehreren Kollegen versucht, den Jugendlichen dafür verantwortlich zu machen. Gegen drei Polizisten wurde Anklage erhoben, weil sie die Todesumstände vertuscht haben sollen. Sie müssen sich wegen Verschwörung, Amtsmissbrauchs und Behinderung der Justiz verantworten.

Die US-Justizbehörden warfen der Polizei in Chicago nach einer einjährigen Untersuchung einen übertriebenen Einsatz von Gewalt vor. Der "übermäßige" Einsatz von Gewalt verletze die Verfassung, besonders betroffen seien die von vielen Schwarzen und Hispanics bewohnten Stadtviertel von Chicago, sagte die damalige Justizministerin Loretta Lynch.

Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze haben wiederholt für Empörung und Aufruhr in der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA gesorgt. Im Sommer 2014 hatte die Tötung des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen ausgelöst. Der verantwortliche Polizist wurde nicht angeklagt, obwohl Brown unbewaffnet war.


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