05.10.2018, 17:42 Uhr

Moskau (AFP) Filmemacher Senzow beendet Hungerstreik zur Vermeidung von Zwangsernährung

Senzow beendete seinen Hungerstreik nach über 140 Tagen. Quelle: Russian Federal Penitentiary Service/AFP/HO (Foto: Russian Federal Penitentiary Service/AFP/HO)Senzow beendete seinen Hungerstreik nach über 140 Tagen. Quelle: Russian Federal Penitentiary Service/AFP/HO (Foto: Russian Federal Penitentiary Service/AFP/HO)

Ukrainischer Kreml-Kritiker protestiert seit Mitte Mai gegen Inhaftierung

Der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher und Kreml-Kritiker Oleg Senzow hat seinen Hungerstreik nach mehr als 140 Tagen beendet. Er habe sich zu dem Schritt entschlossen, um nicht zwangsernährt zu werden, teilte er am Freitag in einer handschriftlichen Erklärung mit. Senzow wollte mit dem Hungerstreik die Freilassung aller ukrainischen politischen Gefangenen in Russland erzwingen - was ihm nicht gelang.

"Ich danke allen, die mich unterstützt haben, und bitte diejenigen um Verzeihung, die ich fallen ließ", heißt es Senzows über die Medien verbreiteter Notiz. Zuvor hatte die russische Strafvollzugsbehörde bekannt gegeben, dass Senzow wieder begonnen habe, Nahrung zu sich zu nehmen. Die "besten Ernährungswissenschaftler Moskaus" hätten einen Ernährungsplan für den 42-Jährigen erstellt, damit er "ohne Komplikationen" wieder feste Nahrung zu sich nehmen könne.

Bislang habe Senzow "Pasten aus Tuben" gegessen - "wie ein Kosmonaut", sagte der stellvertretende Behördenchef Valeri Maximenko dem Fernsehsender Doschd. Ärzte und Anwälte hätten den Gefangenen überzeugen können, "dass er leben muss, dass das Leben weiter geht". Derzeit sei Senzow noch im Gefängniskrankenhaus. Sobald es ihm besser gehe, werde er wieder in Haft genommen.

Senzow war am 14. Mai in den Hungerstreik getreten. Mit der Aktion wollte er während der Fußballweltmeisterschaft in Russland maximalen Druck auf die Regierung in Moskau ausüben. Ende September wurde er zu Untersuchungen in ein Krankenhaus in der Stadt Labytnangi gebracht. Ein damals von den Strafvollzugsbehörden veröffentlichtes Foto zeigt, wie eine Ärztin die Brust des inhaftierten Kreml-Kritikers abhört. Der Filmemacher wirkt darauf deutlich dünner und älter als auf vorherigen Aufnahmen.

Senzow war im Mai 2014 auf der ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen worden, die Russland nach einem umstrittenen Volksentscheid in sein Staatsgebiet eingegliedert hatte. Die Behörden warfen ihm "Terrorismus" und Waffenhandel vor. Der Aktivist und Dokumentarfilmer wies dies zurück, wurde aber im August 2015 zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er in einer Strafkolonie im äußersten Norden Russlands verbüßt.

Bekannte Persönlichkeiten wie der US-Autor Stephen King, Hollywoodstar Johnny Depp, der russische Regisseur Andrej Swyaginew und der französische Filmemacher Jean-Luc Godard setzen sich für Sanzows Freilassung ein. Die russische Regierung lehnt eine Freilassung aber ab - es sei denn, Senzow reicht ein Gnadengesuch ein. Das lehnt der Ukrainer ab.

Senzow-Anhänger in der Ukraine und Russland hatten den Regisseur schon seit längerem aufgefordert, den Hungerstreik zu beenden. Sie bräuchten ihn lebend, erklärten sie.


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