05.10.2018, 13:17 Uhr

Paderborn (AFP) Keine lebenslängliche Haft im Prozess um Horrorhaus von Höxter

Das Haus der Angeklagten. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jonas Güttler (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jonas Güttler)Das Haus der Angeklagten. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Jonas Güttler (Foto: dpa/AFP/Archiv/Jonas Güttler)

Wilfried W. wird in Psychiatrie untergebracht - Angelika W. akzeptiert Urteil

Im Prozess um das sogenannte Horrorhaus von Höxter ist das Landgericht Paderborn am Freitag mit seinem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer lebenslangen Haft geblieben. Für Wilfried W. verhängte das Gericht wegen des Todes von zwei Frauen eine elfjährige Haftstrafe und ordnete die Unterbringung des 48-Jährigen in der Psychiatrie an. Die 49 Jahre alte Angelika W. erhielt dreizehn Jahre Haft.

Das Gericht verurteilte die beiden in dem nach knapp zwei Jahren Prozessdauer abgeschlossenen Verfahren wegen Mordes durch Unterlassen und wegen versuchten Mordes. Anders als die Anklage sah das Gericht aber mehrere Milderungsgründe für die in dem Anwesen in der zu Höxter zählenden Gemeinde Bosseborn verübten Taten. Deshalb blieb das Gericht unter der Strafmaßforderung von Anklage und Nebenklägern, die außer einer lebenslangen Haft auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert hatten.

Bei Wilfried W. folgte das Gericht der Einschätzung der Gutachterin, die bei dem als intellektuell stark eingeschränkten 48-Jährigen eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert hatte. Diese Einschätzung sei massiv zum Tragen gekommen, sagte ein Gerichtssprecher. Bei Angelika W. milderte das Gericht den Strafrahmen, weil sie umfassend ausgesagt und dadurch einige ansonsten vermutlich schwer oder gar nicht aufzuklärende Details zu den Todesumständen der Frauen benannt hatte. Schließlich gibt es bei Mord durch Unterlassen grundsätzlich die Möglichkeit, die für Mord vorgesehene lebenslängliche Strafe zu mildern.

Noch vor dem Urteil hatten die beiden Angeklagten sich erstmals in dem Verfahren entschuldigend geäußert. Der Anwalt von Angelika W., Peter Wüller, sagte im Fernsehsender n-tv, er könne sich vorstellen, dass seine Mandantin das Urteil akzeptiere. Da sie bereits seit zwei Jahren in Untersuchungshaft sitze und nach zwei Dritteln der Strafe bei guter Führung aus dem Gefängnis entlassen werden könnte, könne sie womöglich in sechseinhalb Jahren frei sein. Ursprünglich hatte Wüller einen Freispruch für seine Mandantin gefordert.

Noch offen ist, ob die Verteidigung von Wilfried W. eine Revision anstrebt. Diese hatte auf siebeneinhalb Jahre Haft plädiert.

Der Fall hatte wegen seiner Rohheit und Brutalität für bundesweites Entsetzen gesorgt. Die Angeklagten sollen die zwei getöteten Frauen durch Kontaktanzeigen in ihr Haus gelockt und so schwer misshandelt haben, dass sie starben. Zwei weitere Frauen sollen die beiden Angeklagten ebenfalls schwer misshandelt haben, diese überlebten aber.


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