05.10.2018, 15:27 Uhr

Paris (AFP) Interpol-Präsident Meng Hongwei in China vermisst

Sein Verschwinden gibt Rätsel auf: Meng Hongwei. Quelle: AFP/Archiv/ROSLAN RAHMAN (Foto: AFP/Archiv/ROSLAN RAHMAN)Sein Verschwinden gibt Rätsel auf: Meng Hongwei. Quelle: AFP/Archiv/ROSLAN RAHMAN (Foto: AFP/Archiv/ROSLAN RAHMAN)

Hongkonger Zeitung: Behörden führten 64-Jährigen zu Befragungen ab

Interpol-Chef Meng Hongwei wird offenbar in China festgehalten. Die Frau des 64-jährigen Chinesen meldete ihn nach Justizangaben vom Freitag vermisst. Laut einem Bericht der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" wurde Meng bei einer Reise nach China vor knapp einer Woche zu Befragungen abgeführt. Was ihm vorgeworfen wird, ist nicht bekannt.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle, gegen Meng werde in China ermittelt. Er sei von den Behörden "abgeführt" worden, als er in seinem Heimatland gelandet sei.

Nach Angaben französischer Medien reiste Meng am 29. September von Frankreich nach China. Seitdem fehlt von ihm nach Angaben seiner Frau jede Spur. "Er ist nicht in Frankreich verschwunden", betonte ein Ermittler.

Die Polizeiorganisation Interpol erklärte an ihrem Sitz in Lyon in Ostfrankreich, der Fall sei Sache der zuständigen Behörden in Frankreich und China. In der Zwischenzeit sei der deutsche Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock für den Betrieb der Organisation verantwortlich.

Unter Präsident Xi Jinping sind in China bereits mehrere hochrangige Beamte verschwunden. Die Regierung in Peking geht seit einiger Zeit hart gegen Korruption vor. In diesem Zusammenhang wurden auch Gefängnisstrafen gegen Verantwortliche verhängt. Im Ausland wird dies als politische Säuberung des Machtapparats gewertet.

Meng war im November 2016 als erster chinesischer Regierungsvertreter an die Spitze von Interpol gewählt worden. Zuvor war der studierte Jurist in China stellvertretender Minister für Öffentliche Sicherheit. Als solcher war er unter anderem für den Kampf gegen den Terrorismus und gegen den Drogenhandel sowie für Grenzkontrollen zuständig.

Mengs Wahl an die Spitze von Interpol wurde als Zeichen gewertet, dass China seine Anti-Korruptions-Kampagne auch auf das Ausland ausweiten wollte. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International äußerten Bedenken, dass Peking Interpol nutzen könnte, um Dissidenten und Geflohene im Ausland festzunehmen.

Über Interpol arbeiten 192 Mitgliedstaaten zusammen gegen das internationale Verbrechen. Die Organisation unterstützt maßgeblich den Kampf gegen den Terrorismus, gegen Cyber-Attacken und gegen das organisierte Verbrechen.


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