05.10.2018, 16:47 Uhr

Oslo (AFP) Weltweite Anerkennung für Friedensnobelpreisträger Murad und Mukwege


Ex-IS-Sklavin und Gynäkologe für Einsatz gegen sexuelle Gewalt geehrt

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an zwei Vorkämpfer gegen sexuelle Gewalt in Konfliktregionen ist international auf breite Zustimmung gestoßen. Politiker und Organisationen aus aller Welt würdigten am Freitag die Verdienste der jesidischen Aktivistin Nadia Murad und des kongolesischen Gynäkologen Denis Mukwege. Mukwege widmete die Auszeichnung den weiblichen Opfern von Vergewaltigungen und Gewalt weltweit. Auch Mirad erklärte, der Preis sei wichtig für alle Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt seien.

Mukwege und Murad würden geehrt "für ihre Anstrengungen, der sexuellen Gewalt als Kriegswaffe ein Ende zu bereiten", erklärte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen: "Denis Mukwege und Nadia Murad haben beide ihr eigenes Leben riskiert, indem sie mutig gegen Kriegsverbrechen kämpfen und Gerechtigkeit für die Opfer fordern."

Mukwege habe als Helfer sein ganzes Leben der Verteidigung von Opfern sexueller Gewalt gewidmet, die in den brutalen kriegerischen Wirren seiner Heimat im Ost-Kongo verübt worden sei, erklärte Reiss-Andersen. Seine Mit-Preisträgerin Murad, die nach ihrer Befreiung aus den Fängen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach Deutschland floh, würdigte das Komitee als "Zeugin, die von jenem Missbrauch erzählt, der ihr selbst und anderen widerfahren ist".

Die heute 25-jährige Murad war im August 2014 im Irak von Kämpfern der IS-Miliz verschleppt, misshandelt, vergewaltigt und versklavt worden. Sechs Brüder und ihre Mutter wurden von der IS-Miliz getötet. Ihr selbst gelang nach drei Monaten mit Hilfe einer Nachbarsfamilie die Flucht.

Über Griechenland gelangte sie nach Deutschland, wo sie im Rahmen eines Jesidinnen-Projekts in Baden-Württemberg aufgenommen wurde. Seit September 2016 setzt sie sich als UN-Sonderbotschafterin für die Rechte der Opfer von Menschenhandel ein.

Murad erklärte, die Auszeichnung sei ein bedeutender Sieg für Opfer sexueller Gewalt. "Es war nicht einfach für mich, über das zu reden, was mit zugestoßen ist", sagte sie in einem Telefonat, das auf der Website des Nobelkomitees veröffentlicht wurde. "Besonders für Frauen im Nahen Osten ist es nicht leicht, darüber zu sprechen, eine Sexsklavin gewesen zu sein."

Mukwege widmete den Friedensnobelpreis allen Frauen, "die in Kriegen verletzt wurden und jeden Tag mit Gewalt konfrontiert sind". Die Auszeichnung sei ein wichtiger Schritt, um den Opfern sexueller Gewalt Wiedergutmachung zu gewähren, sagte er vor seiner Klinik in Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Der 63-jährige Arzt betreute in den vergangenen Jahren 50.000 Vergewaltigungsopfer in dem von ihm 1999 gegründeten Krankenhaus in Bukavu. Er behandelte Frauen, Kinder und kleine Babys. Als Mukwege 2014 den Sacharow-Preis erhielt, berichtete er, insgesamt seien im Kongo mehrere hunderttausend Frauen vergewaltigt worden. Schwangeren Frauen werde der Bauch aufgeschlitzt, ihre ungeborenen Kinder würden verstümmelt.

Die Entscheidung des Nobelkomitees wurde international begrüßt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert erklären: "Es sind zwei großartige Preisträger, die beide für sich für den Schrei nach Menschlichkeit stehen inmitten furchtbarer Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen antun." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Mukwege und Murad als unerschrockene Kämpfer gegen sexuelle Gewalt.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte: "Indem sie die Opfer sexueller Gewalt in Konflikten verteidigen, verteidigen sie unsere gemeinsamen Werte." UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet lobte Mukwege und Murad als "außerordentlich mutige, hartnäckige und effektive Aktivisten".

Iraks Präsident Barham Saleh bezeichnete die Vergabe des Friedensnobelpreises an Murad als "Ehre für alle Iraker, die gegen Terrorismus und Fanatismus gekämpft haben". Er lobte die Jesidin für ihren "Mut zur Verteidigung der Menschenrechte der Opfer von Terror und sexueller Gewalt".

Auch Mukwege erhielt Glückwünsche aus der Heimat. Regierungssprecher Lambert Mende würdigte in Kinshasa die "sehr wichtige Arbeit" des Frauenarztes. Zugleich warf er ihm vor, seine Arbeit zu "politisieren". Mukwege ist ein Kritiker des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila, der im Dezember aus dem Amt scheidet.

Die EU-Kommission gratulierte Mukwege und Murad für ihre "wirklich noble Arbeit". Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, beide hätten ihr "Leben riskiert, um anderen zu helfen, sie zu schützen und sie zu retten". Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes nannte die Auszeichnung ein "starkes Zeichen gegen die sexualisierte Gewalt an Frauen".


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