04.10.2018, 10:21 Uhr

Berlin (AFP) Mehr Mehrweg soll Verbraucher zu besseren Klimaschützern machen

Benutzte Pappbecher in Berlin. Quelle: dpa/AFP/Kay Nietfeld (Foto: dpa/AFP/Kay Nietfeld)Benutzte Pappbecher in Berlin. Quelle: dpa/AFP/Kay Nietfeld (Foto: dpa/AFP/Kay Nietfeld)

Umwelthilfe appelliert an Eigenverantwortung im Alltag

Angesichts der Versäumnisse der Politik beim Klimaschutz hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Verbraucher aufgerufen, im Alltag selbst zum Klimaschützer zu werden - und dafür auf Mehrwegverpackungen zu setzen. "Mehrwegflaschen und -becher sind aktiver Klimaschutz", erklärte die DUH zum Start ihrer Kampagne "Mehrweg. Mach mit!" am Donnerstag in Berlin.

"Wenn es gelingt, den jährlichen Verbrauch von mehr als 2,7 Milliarden Getränkedosen, 16 Milliarden Einweg-Plastikflaschen und fast drei Milliarden Wegwerfbechern für Kaffee zu verringern, dann können jährlich hunderttausende Tonnen des schädlichen Klimagases CO2 vermieden werden", erklärte die Umweltschutzorganisation.

Nach Betrachtung aller einschlägigen Studien zu den Umweltauswirkungen von Getränkeverpackungen sei das Ergebnis eindeutig: "Mehrweg schlägt Einweg beim Klimaschutz", erklärte der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer. Allein durch die konsequente Nutzung wiederbefüllbarer Coffee-to-go-Becher lasse sich so viel CO2 vermeiden, wie rund 30.000 Pkw mit einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern im Jahr ausstießen.

Zugleich sei bereits jetzt erkennbar, dass das nationale Klimaschutzziel der Bundesregierung, die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent zu senken, nicht eingehalten werden könne, kritisierte die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Deshalb sei es "notwendiger denn je", einen Beitrag zur Schließung dieser Lücke zu leisten. Das DUH-Projekt gehört zur Nationalen Klimaschutzinitiative der Regierung und wird durch das Bundesumweltministerium gefördert.

Erreichen will die Umwelthilfe dies auch durch die Ausbildung von "Klimabotschaftern" in der Gastronomie, in Verbänden oder Unternehmen und Abfallberatern, die etwa bei der öffentlichen Beschaffung in Kommunen auf Nachhaltigkeit setzen.

Als positives Beispiel hob die DUH hier die Hamburger Stadtverwaltung hervor. In der Hansestadt gibt es bereits seit 2016 einen Kriterienkatalog mit strengen ökologischen Standards für Ämter und Behörden: Sie dürfen etwa keine Kaffeemaschinen mit Alukapseln, Mineralwasser in Einwegflaschen oder Einweggeschirr einkaufen.

Dass Mehrweg auch bei Großveranstaltungen funktioniert, belegt der DUH zufolge der Karneval der Kulturen in Berlin. Und dass wiederbefüllbare Coffee-to-go-Becher auch verbraucherfreundlich und massenmarkttauglich seien können, zeigt laut Umwelthilfe das Pfandsystem des Startups reCup. Den Becher in einem von aktuell 1500 Cafés wieder abgeben zu können, stärke die Akzeptanz, erklärte reCup-Geschäftsführer Florian Pachaly. Mehrweg könne so zur täglichen Gewohnheit werden. "Seinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, fühlt sich gut an."


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