04.10.2018, 11:53 Uhr

Hannover (AFP) DIHK warnt vor Schäden durch ausfallende Flüge und fehlende Kapazitäten

Abfertigung in Frankfurt am Main. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst)Abfertigung in Frankfurt am Main. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst (Foto: dpa/AFP/Archiv/Frank Rumpenhorst)

Verbraucherschützer Müller kritisiert Zusammensetzung des Luftfahrtgipfels

Vor dem Luftfahrtgipfel in Hamburg hat die deutsche Wirtschaft vor Schäden durch ausfallende Flüge und fehlende Flughafenkapazitäten gewarnt. "Deutschland darf bei der Entwicklung des Luftverkehrs nicht den Anschluss verlieren", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Donnerstag. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisierte unterdessen die Zusammensetzung des Gipfels.

Leider gebe es "immer mehr Flugausfälle und Verspätungen", beklagte Dercks vom DIHK. Personalengpässe und organisatorische Defizite anzugehen werde "nicht ausreichen, um die Probleme im Luftverkehr zu lösen". Auch Flughafenkapazitäten und Nutzungsbeschränkungen müssten auf die Agenda, forderte er mit Blick auf den am Freitag in Hamburg stattfindenden Gipfel.

In Frankfurt am Main stellten Nachtflugbeschränkungen die Fluggesellschaften vor große Herausforderungen, in Düsseldorf seien es die Lärmschutzvorgaben, sagte Dercks. In München komme die Erweiterung des Flughafens nicht voran. "Schon jetzt wird die schnelle weltweite Belieferung der Kunden mit dringend benötigten Ersatzteilen immer schwieriger." Ohne pragmatische Lösungen drohten sowohl im Fracht- als auch im Passagierbereich sowie in der Folge bei Produktion und Dienstleistungen deutscher Unternehmen "Verlagerungen ins Ausland".

Spitzen der Luftfahrtindustrie und der Flugsicherung sowie aus der Politik treffen sich am Freitag zu einem Luftfahrtgipfel in Hamburg. Dort soll es darum gehen, wie Flugausfälle, Verspätungen und Engpässe bei der Abfertigung der Passagiere an den Flughäfen vermieden werden können.

Vzbv-Chef Klaus Müller kritisierte, dass nur Vertreter der Branche sowie der Politik in Hamburg vertreten sind. Es fehlten die Passagiere: "Die Bundesregierung gipfelt vor sich hin, lässt aber die betroffenen Verbraucherinnen und Verbraucher außen vor", sagte Müller dem "Handelsblatt". Das sei "nicht nachvollziehbar und ärgerlich".

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) werde "sich daran messen lassen müssen, wie schnell diese Missstände behoben werden", sagte Müller. Im Gespräch mit den Zeitungen des RND forderte der Verbraucherschützer von Scheuer ein Maßnahmenpaket gegen die Missstände. "Im Vordergrund des Fluggipfels sollten die Interessen der Verbraucher stehen", sagte er. Die Durchsetzung ihrer Rechte müsse leichter werden. "Dazu müssen sich die Flugunternehmen verpflichten, zeitnah, automatisiert und online-basiert zu entschädigen."

Nach Angaben des Schadenersatz-Portals Airhelp fielen hierzulande in diesem Jahr bereits deutlich mehr Flüge aus als im Vorjahreszeitraum. Demnach lag die Zahl der Ausfälle bis zum 22. September bei mehr als 14.000 - im Vorjahreszeitraum waren es 6870. Die Fluggäste hätten dadurch laut Berechnungen des Portals Anspruch auf insgesamt 823 Millionen Euro Entschädigung.

Die deutsche Luftfahrt steht damit laut Airhelp deutlich schlechter da als vergleichbare Märkte. In Großbritannien fielen bei ähnlicher Flugzahl 10.600 Flüge aus, in Spanien nur 6000.


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