03.10.2018, 12:56 Uhr

Southaven (AFP) Trump verhöhnt Kavanaugh-Anklägerin Blasey Ford wegen Erinnerungslücken

Trump bei seinem Wahlkampfauftritt in Southaven. Quelle: AFP/MANDEL NGAN (Foto: AFP/MANDEL NGAN)Trump bei seinem Wahlkampfauftritt in Southaven. Quelle: AFP/MANDEL NGAN (Foto: AFP/MANDEL NGAN)

Ex-Studienfreund wirft Richterkandidaten Lüge über früheren Alkoholkonsum vor

US-Präsident Donald Trump hat sich über die Frau lustig gemacht, die seinem umstrittenen Richterkandidaten Brett Kavanaugh eine versuchte Vergewaltigung vorwirft. Bei einem Wahlkampfauftritt in Southaven im Bundesstaat Mississippi verhöhnte Trump am Dienstag (Ortszeit) die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford wegen ihrer Erinnerungslücken die fragliche Nacht betreffend. Ein ehemaliger Studienkollege bezichtigte Kavanaugh bezüglich seines früheren Alkoholkonsum der Lüge.

"Ich habe ein Bier getrunken, richtig?" sagte Trump und ahmte dabei offenbar Blasey Ford während ihrer Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats nach. "Wie sind Sie nach Hause gekommen? Ich erinnere mich nicht. Wie sind Sie dorthin gekommen? Ich erinnere mich nicht. Wo war der Ort? Ich erinnere mich nicht. Wie viele Jahre ist es her? Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ich weiß nicht, ich weiß nicht."

Trump fuhr vor seinen jubelnden Anhängern mit diesem nachgestellten Frage-und-Antwort-Spiel fort und sagte dann: "Aber ich habe ein Bier getrunken. Das ist das einzige, woran ich mich erinnere. Und das Leben eines Mannes ist ruiniert. Das Leben eines Mannes ist zerstört."

Die Frontalattacke des US-Präsidenten auf Blasey Ford ist ein klarer Strategiewechsel. Bislang hatte sich Trump ihr gegenüber stark zurückgehalten und sie nach ihrer Anhörung sogar als "sehr glaubwürdige Zeugin" bezeichnet.

Blasey Ford wirft Kavanaugh vor, im Sommer 1982 auf einer Teenagerparty versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Trumps Kandidat für den Obersten Gerichtshof weist die Vorwürfe zurück. Allerdings haben zwei weitere Frauen ähnliche Vorwürfe gegen den Juristen während seiner High-School- und Studienzeit erhoben.

Kavanaughs geplante Ernennung zum Obersten Richter auf Lebenszeit ist in den USA vor den im November anstehenden Teilwahlen zum US-Kongress längst zu einem Politikum geworden. Sie würde einen deutlichen Rechtsruck des Supreme Court bedeuten.

Vor seinem Wahlkampfauftritt sagte Trump vor Journalisten in Washington, heute würden Männer bei Vorwürfen sexueller Gewalt an den Pranger gestellt. Jemand könne als schuldig angesehen werden, ohne schuldig zu sein. Der US-Präsident fügte hinzu: "Mein ganzes Leben lang habe ich gehört, dass man unschuldig ist, bis die Schuld bewiesen ist. Aber heute ist man schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist."

Kavanaugh gab derweil einen Lehrauftrag an der renommierten Jura-Graduiertenschule Harvard Law School auf. Das bestätigte ein Sprecher der Lehreinrichtung am Dienstag. Zuvor hatten hunderte Alumni eine Petition unterschrieben, in der sie forderten, Kavanaugh den Lehrauftrag zu entziehen. Der Jurist hatte an der Harvard Law School seit rund einem Jahrzehnt einen Kurs über den Supreme Court angeboten.

Kavanaughs ehemaliger Kommilitone Chad Ludington sagte Reportern, dieser habe "nicht die Wahrheit gesagt, als er die Möglichkeit abstritt, dass er jemals vom Trinken einen Blackout hatte, und als er das Ausmaß und die Häufigkeit seines Trinkens herunterspielte". Bereits zuvor hatte Ludington dem 53-jährigen Kavanaugh vorgeworfen, im betrunkenen Zustand "kampflustig und aggressiv" gewesen zu sein. Der Professor an der North Carolina State University fügte hinzu, die Information habe er an die US-Bundespolizei FBI weitergeleitet.

Das FBI begann US-Medien zufolge mit der Befragung von Mark Judge, Kavanaughs bestem ehemaligen Freund. Nach Aussagen der Professorin Blasey Ford soll er zugegen gewesen sein, während Kavanaugh sie vor 36 Jahren zu vergewaltigen versuchte.

Der Justizausschuss hatte Kavanaughs Ernennung am Freitag mit der knappen Mehrheit der republikanischen Senatoren zugestimmt. Zugleich forderte er eine erneute Untersuchung des FBI, die bis Freitag abgeschlossen sein soll.

Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, sagte, das Senatsplenum werde "diese Woche" endgültig über Kavanaugh abstimmen. Die Republikaner stellen 51 Senatoren, die Demokraten 49. Bei der Kongresswahl am 6. November könnten sie diese Mehrheit verlieren.


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